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Intertextualität in der lusophonen Literatur

Ein Blick auf Fernando Pessoa und Clarice Lispector

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Claudia Piechocki

Der portugiesische Autor Fernando Pessoa und die brasilianische Autorin Clarice Lispector prägen die literarische Moderne. Die Untersuchung der von ihnen gewählten Sujets lässt viele Parallelen erkennen. Pessoa wie Lispector erheben die Seelenvielfalt, den Ich-Zerfall und die Entpersönlichung zu den Themen ihrer Lyrik bzw. Prosa. Vor allem Lispectors Erstlingsroman, Nahe dem wilden Herzen, weist diese Charakteristika auf. Aus einer intertextuellen Analyse von Lispectors Roman und Pessoas drei wichtigsten Heteronymen, Alberto Caeiro, Ricardo Reis und Álvaro de Campos, resultieren zwei Gemeinsamkeiten: Das Dreieck, das als intertextuelles Muster auftritt, und architextuelle Referenzen im Sinne Gérard Genettes.

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5. Fernando Pessoas Drama em Gente

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Die im ersten Kapitel dargelegten intertextuellen Ansätze sollen in diesem Kapitel dabei be- hilflich sein, den Roman Perto do Coração Selvagem intertextuell mit dem Werk Pessoas zu vernetzen. Vorher müssen jedoch zwei Punkte geklärt werden: Erstens wird im Folgenden nicht von Pessoas Gesamtwerk die Rede sein. Ein solches Vorha- ben würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Der Schwerpunkt wird auf die drei bekanntes- ten Heteronyme Pessoas (vid. dazu Kapitel Fernando Pessoa – Biografie), deren ‚Hand- schrift‘ und deren Relation zu Pessoa gelegt. Zweitens stellt sich bei Pessoa zwangsläufig die Frage, inwieweit bei den Heteronymen selbst von intertextuellen Merkmalen gesprochen werden kann. Da diese Themenstellung genügend Material für eine weitere Arbeit bereithielte, kann an dieser Stelle lediglich auf diese fortfüh- renden intertextuellen ‚Ausläufer‘ innerhalb der vorliegenden Abhandlung aufmerksam ge- macht werden. 5.1. Die drei Heteronyme Mithilfe des Exzerpts aus Pessoas Brief an seinen Freund Casais Monteiro, in dem er die Ge- nese der Heteronyme Alberto Caeiro, Álvaro de Campos und Ricardo Reis beschreibt (s. o.), wurde bereits ein Einblick in die Konstellation gewährt, in dessen Mitte sich Pessoa ab die- sem Zeitpunkt befinden sollte. Die drei Dichtergestalten nehmen neben dem Orthonym Pes- soa eine gleichberechtigte Stellung ein. Sie entwickeln verschiedene Denkansätze und vertre- ten voneinander divergierende Empfindungsformen und Weltanschauungen. Vor allem ihre charakteristischen sprachlichen Stile machen die drei Heteronyme unter sich unverkennbar. Zudem verfasste Pessoa jedem von ihnen Horoskope sowie eine eigene Biografie, die nicht nur den Geburtsort festlegte, sondern...

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