Show Less

Intertextualität in der lusophonen Literatur

Ein Blick auf Fernando Pessoa und Clarice Lispector

Series:

Claudia Piechocki

Der portugiesische Autor Fernando Pessoa und die brasilianische Autorin Clarice Lispector prägen die literarische Moderne. Die Untersuchung der von ihnen gewählten Sujets lässt viele Parallelen erkennen. Pessoa wie Lispector erheben die Seelenvielfalt, den Ich-Zerfall und die Entpersönlichung zu den Themen ihrer Lyrik bzw. Prosa. Vor allem Lispectors Erstlingsroman, Nahe dem wilden Herzen, weist diese Charakteristika auf. Aus einer intertextuellen Analyse von Lispectors Roman und Pessoas drei wichtigsten Heteronymen, Alberto Caeiro, Ricardo Reis und Álvaro de Campos, resultieren zwei Gemeinsamkeiten: Das Dreieck, das als intertextuelles Muster auftritt, und architextuelle Referenzen im Sinne Gérard Genettes.

Prices

See more price optionsHide price options
Show Summary Details
Restricted access

6. Pessoa und Lispector – Spuren der Intertextualität

Extract

6.1. Die drei Männer Um den zuvor genannten Nexus zwischen Joana und Fernando Pessoa weiter auszubauen, gilt es nun, genauer auf drei Männer aus dem Roman Perto do Coração Selvagem einzugehen. Die Wahl fällt dabei auf jene männlichen Figuren, die einen bestimmten Einfluss auf Joana und den Fortgang ihrer Geschichte ausüben. Das bedeutet, dass sie entweder mit ihr gelebt haben beziehungsweise – auf ihr Gesuch hin – mit ihr ins Gespräch traten: Der Professor/Lehrer, Otávio und der Mann aus Perto do Coração Selvagem verkörpern diese wesentlichen Rollen und artikulieren ebenfalls den ersten intertextuellen Zusammenhang zwi- schen Lispectors Roman und Pessoas heteronymischer Konstellation. Sie erinnern aufgrund ihrer persönlichen Charakteristika und Artikulationsweisen, aber auch hinsichtlich ihrer Vor- lieben an Caeiro, Reis und Campos. Mithilfe einer konzisen Beschreibung ihrer Figur und ihrer Beziehung zu Joana können erste Parallelen konzipiert werden. 6.1.1. O Professor Der Professor/Lehrer (ohne Namen) ist eine sehr ungewöhnliche Figur, da nicht hervorgeht, ob er imaginär oder real ist: „E milagrosamente ele penetrava no mundo penumbroso de Joana e lá se movia de leve, delicadamente.“217 Joana flüchtet sich oft in seine Welt, vor allem in ihrer Jugendzeit, in der sie oft mit den Auseinandersetzungen mit ihrer Tante und ihrem On- kel konfrontiert ist. In ihren gemeinsamen Gesprächen fordert der Lehrer sie heraus, sich eine Meinung über die Welt zu bilden, um ihr die Möglichkeiten des Lebens aufzuzeigen: „Se vo- cê não me ajudar, n...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.