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Kinder, Kinder!

Vergangene, gegenwärtige und ideelle Kindheitsbilder

Edited By Dominik Becher and Elmar Schenkel

Kinder treiben uns um. Sie gehören zum menschlichen Leben wie der Tod und die Liebe, ja sind geradezu deren Konsequenz. Betrachtet man ihren Platz in der Gesellschaft, so offenbaren sie sich als Spiegel unserer selbst. Die Analysen vergangener, gegenwärtiger und ideeller Kindheitsbilder in diesem Band stammen aus dem Leipziger studium universale zum Thema Kindheiten sowie der Leipziger Universitätsvesper unter dem Motto Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder ... aus dem Jahr 2012. Durch diese Konstellation treffen sakrale und säkulare Perspektiven aufeinander und reflektieren ein für viele Kindheitsbilder zentrales Spannungsfeld. Insgesamt 22 Artikel und Thesen aus unterschiedlichen Disziplinen repräsentieren einen großen Ausschnitt aus der gegenwärtigen Kindheitsforschung. Literarische, didaktische, religiöse Fragen stehen im Vordergrund, aber auch Medizin, Ethnologie und Geschichte kommen zu Wort. Durch die dargestellte Themen- und Methodenvielfalt soll der Band das Thema Kindheit als wertvollen Forschungsgegenstand weiter bestärken.

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III. Kindheit in Ethnologie und Religion

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123 CLAUS DEIMEL Die kleinen Erwachsenen der Sierra 7DUDKXPDUDLP1RUGHQYRQ0H[LNR Zur Ethnographie Im Juni 1973 begann ich meine Studien über die Tarahumara, die sich selbst Rarámuri nennen und in der Sierra Tarahumara im Norden Mexikos leben. Ich habe das Land und seine Menschen seitdem regelmäßig besucht und mehrere Aufzeichnungen über meine Beobachtungen veröffentlichen können. Die Texte über die Sierra Tarahumara sind ethnographischer Art und befassen sich auch mit der Form der Beschreibung, mit der ich meine Erfahrungen ausdrücken konnte. Es sind zunächst kompliziert erscheinende Formulierungen, die dazu führen eige- ne Worte zu ¿nden, welche den Rarámuri in der Übersetzung eine Sprache geben. Es ist ein langwieriger Prozess des Suchens nach einem speziellen Vokabular, welches sich poetisch aneinanderfügt und deshalb den Bezug zum Subjekt immer mitbeschreibt. Ethnographie ist eine Verdichtung der Wahrnehmung, eine singulare Aushe- bung von Momenten aus dem Geschehen, eine Reihung von übernommenen Er- eignissen und Mitteilungen aus meinem Tagebuch, dem vorangegangenen theo- retischen Script über dieses Sujet. Mein Text ist kein akademischer Diskurs über „das Problem Kindheit“, sondern zeichnet ein Bild über die Kindheit in der Sierra Tarahumara. Ethnographie kann ebenso Gedicht sein, etwa so kurz wie ein Haiku. Die Beschreibung kann natürlich nur subjektiv konstruiert werden. Sie strebt zu einem bestimmten Bild und ist, aus meiner Sicht, im weitesten Sinn mit Malerei verwandt. Ich habe den Text Anfang der achtziger Jahre verfasst, im neunten Jahr mei- ner fortgesetzten Reisen in die Sierra Tarahumara in Chihuahua. Er beschreibt...

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