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Sterbeorte in Deutschland

Eine soziologische Studie

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Michaela Thönnes

Sterben ist ein sozialer Prozess, der in Abhängigkeit vom Sterbeort sehr unterschiedlich verläuft. Das Buch will anhand einer umfassenden Darstellung des soziologischen Forschungsstands die Wissenslücken um die Sterbeorte aufdecken und schließen. Um zu verstehen, wie unterschiedlich Sterben an verschiedenen Orten determiniert ist, wurden qualitative Interviews mit Angehörigen durchgeführt, die Sterbende begleitet hatten. Welche Vorstellungen, welches Wissen und welche Einstellungen gegenüber den verschiedenen Sterbeorten liegen in der Gesellschaft vor? Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen die Komplexität der sozialen Abläufe im Sterbeprozess, welche sich aus Kommunikation, Emotionalität, Wünschen und Zielen ergeben.

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1. Die Soziologie und das Sterben

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Comte, Durkheim (1973 [1897]) und Simmel (1890) sind Klassiker der Soziologie und in ihren Schriften gelang es schon im 18., 19. und zu Be- ginn des 20. Jahrhunderts mit einer Thematisierung des Todes, Gesell- schaft zu erklären. Wie im folgenden Kapitel aufgezeigt, ist es aus wis- senschaftlicher Perspektive umso erstaunlicher, dass die Thanatosoziolo- gie sich bis heute nicht weiter ausführlich mit soziologischen Aspekten des Sterbens und dem Sterbeort befasst. Die im Folgenden vorgestellten theoretischen Diskurse nehmen unter anderem Fragestellungen der Ver- drängung, der Institutionalisierung oder Individualisierung des Todes in unserer Gesellschaft auf. 1.1 Die Anfänge einer soziologischen Thematisierung des Todes Auguste Comte (1798-1857) ist einer der Ersten, der in seinen Beiträgen zur Abgrenzung der Soziologie von den Fächern Theologie, Philosophie und Naturwissenschaft den Tod unter soziologischen Gesichtspunkten be- trachtete. Comte sah gesellschaftliche Entwicklungen als einen in sich organisch über Generationen hinweg vollziehenden Prozess an. Somit stellt Comte den Tod als einen Generator dar, welcher immer besser werdende Leistung in einer Gesellschaft erzeuge, da die nachfolgende Generation nicht nur durch individuelle Kooperation, sondern vielmehr durch die geschichtliche Entwicklung und durch Erziehung von den Leistungen der vorherigen Generation profitieren kann. Sozialer Fort- schritt beruht so gesehen, laut Comte, in gewisser Weise auf dem Tode (vgl. Feldmann/Fuchs-Heinritz 1995: 27f.). Emile Durkheim (1858- 1917) untersucht Eigenschaften von Gruppen, indem er eine Morpholo- gie der Gesellschaft entwickelt. In der empirischen Studie „Der Selbst- mord“ (Durkheim 1973 [1897]) analysiert er verschiedene Länder Euro- pas und beabsichtigt damit anhand statistischer...

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