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Sterbeorte in Deutschland

Eine soziologische Studie

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Michaela Thönnes

Sterben ist ein sozialer Prozess, der in Abhängigkeit vom Sterbeort sehr unterschiedlich verläuft. Das Buch will anhand einer umfassenden Darstellung des soziologischen Forschungsstands die Wissenslücken um die Sterbeorte aufdecken und schließen. Um zu verstehen, wie unterschiedlich Sterben an verschiedenen Orten determiniert ist, wurden qualitative Interviews mit Angehörigen durchgeführt, die Sterbende begleitet hatten. Welche Vorstellungen, welches Wissen und welche Einstellungen gegenüber den verschiedenen Sterbeorten liegen in der Gesellschaft vor? Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen die Komplexität der sozialen Abläufe im Sterbeprozess, welche sich aus Kommunikation, Emotionalität, Wünschen und Zielen ergeben.

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7. Schlussbetrachtung und Ausblick

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Die Begegnung unserer westlichen Gesellschaft mit dem Tod und der Wirklichkeit des Sterbens ist problematisch (vgl. Wittkowski 2003). Durch die Bewusstmachung von alternativ verlaufenden Sterbeprozessen bietet sich der Gesellschaft jedoch eine Handlungsalternative. Durch die in den Hospizen und Krankenpflegestationen entstandene Ideologie des „guten Todes“ setzt sich eine neue Form der sozialen Kontrolle über sterbende Personen durch. Aufgrund neu entwickelter Interessen und Wahlmöglichkeiten Sterbender, kann dem Willen Sterbender ein höherer Wert beigemessen werden (vgl. Kaufman 2005, Kamann 2009: 103ff.). Das Individuum in der hoch entwickelten Dienstleistungsgesellschaft kann z.B. in eine Dilemma-Situation geraten, wenn Anvertraute im Ster- ben liegen und zu überlegen wäre, mit welchen Mitteln und Entschei- dungen ein ohnehin schon lange andauernder Sterbeprozess verlängert oder die Entscheidung für den Tod fallen würde (vgl. Schneider 2005: 72ff.). Sterben nimmt in der gegenwärtigen Gesellschaft viele Formen an und die Reaktionen der Einzelnen darauf variieren im gleichen Maße und schaffen somit eine Pluralität des Sterbens (vgl. Schiefer 2007: 116ff.). Gerade durch die im Sterbeprozess zu verarbeitenden Zweifel, Beden- ken, Zwickmühlen und Dilemmata stellt sich der Akt des Sterbens als eine aufgrund sozialer Bedeutungen und Handlungen gebildete soziale Wirklichkeit dar. Sterben wird durch alles Menschliche, wie die ihm bei- gemessenen Bedeutungen, die in einer Gesellschaft gepflegten Rituale und Bräuche sowie durch die in diesem Zusammenhang etablierten Insti- tutionen erzeugt (vgl. Sudnow 1973: 81ff., Seale 1998: 50ff.). Die Be- standteile der sozialen Wirklichkeit definieren das Sterben sowie die da- mit verbundenen Gedanken und Handlungen,...

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