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Die Wege der Freiheit bei Friedrich Schiller und Jean-Paul Sartre

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Daniela Kemna

Als Zeitzeugen epochaler Ereignisse widmen sich Schiller und Sartre in ihren ästhetischen Schriften der Frage nach der Möglichkeit menschlicher Freiheit im Angesicht der gewaltigen Macht historischer Ereignisse und machen sie zum zentralen Thema ihrer Dramen. Diese Arbeit vergleicht ihre Freiheitskonzepte und untersucht, inwiefern Schiller und Sartre ihre ästhetischen Theorien dramatisch umsetzen und welchen Einfluss die Revolutionen ihrer Zeit auf ihre Dramen nehmen. Während Schiller den Idealismus in einer Krise wähnt und seine moralische Freiheit zu einer existentialistischen wird, mündet Sartres Forderung nach einem politisch engagierten Individuum in unmenschliche Radikalität. Sein Existentialismus wird ungewollt zum Idealismus.

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1. Einleitung

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Im Prolog zu seiner 2004 erschienenen Schiller-Biografie Schiller oder Die Er- findung des Deutschen Idealismus bezeichnet Rüdiger Safranski den Dichter als den „Sartre des späten 18. Jahrhunderts“1 und tritt damit in die Fußstapfen Käte Hamburgers, die bereits 1959 in ihrem Aufsatz Schiller und Sartre. Ein Versuch zum Idealismus-Problem Schillers schreibt: „Wir können mit einem gewissen Recht die Formel wagen, dass Sartre der Idealist des Existentialismus, Schiller der Existentialist des Idealismus ist.“2 Diese These Käte Hamburgers und Rüdiger Safranskis wurde in den letzten Jahrzehnten der Schiller-Forschung immer wie- der aufgegriffen3, jedoch nie genauer beleuchtet – erst recht nicht im Hinblick auf die Dramatik Schillers und Sartres. Ziel dieser Arbeit ist es, diese Lücke innerhalb der Schiller-Forschung schließen. Ein Vergleich der Philosophien Schillers und Sartres scheint zunächst gewagt – nicht zuletzt aufgrund der zeitlichen Distanz. Jedoch steht im „Vordergrund von beider Denken und dramatischen Gestaltungen […] die aktivistische Frei- heitsidee […].“4 Für Schiller artikuliert sich die Freiheit des Menschen in der ästhetischen Er- fahrung des Erhabenen, bei der es um das Standhalten des Menschen im Ange- sicht von Natur und Geschichte geht, die sich der menschlichen Verfügung zu entziehen scheinen. Die wichtigste Voraussetzung für die Freiheit des Menschen ist für Schiller sein Wille und die Unabhängigkeit von sinnlichen Einflüssen, also die Überwin- dung der Affekte. Mit Hilfe des „Pathetisch-Erhabenen“ will der Dichter inner- halb der Kunst diese Voraussetzung schaffen und versteht darunter die Darstel- lung künstlichen...

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