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Die Wege der Freiheit bei Friedrich Schiller und Jean-Paul Sartre

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Daniela Kemna

Als Zeitzeugen epochaler Ereignisse widmen sich Schiller und Sartre in ihren ästhetischen Schriften der Frage nach der Möglichkeit menschlicher Freiheit im Angesicht der gewaltigen Macht historischer Ereignisse und machen sie zum zentralen Thema ihrer Dramen. Diese Arbeit vergleicht ihre Freiheitskonzepte und untersucht, inwiefern Schiller und Sartre ihre ästhetischen Theorien dramatisch umsetzen und welchen Einfluss die Revolutionen ihrer Zeit auf ihre Dramen nehmen. Während Schiller den Idealismus in einer Krise wähnt und seine moralische Freiheit zu einer existentialistischen wird, mündet Sartres Forderung nach einem politisch engagierten Individuum in unmenschliche Radikalität. Sein Existentialismus wird ungewollt zum Idealismus.

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6. Fazit

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Im Zentrum des Denkens von Schiller und Sartre steht die Idee von der Freiheit des Individuums. Während Schillers Freiheitskonzept auf der Autonomie des Willens basiert, liegt die Voraussetzung für die Freiheit bei Sartre in der Fähig- keit, sich aus der Fremdbestimmung des An-Sich zu lösen und das so entstehen- de Nichts mit den eigenen Entscheidungen zu füllen, die weder von übergeord- neten Wertesystemen noch anderen äußeren Einflüssen determiniert werden, und für diese Entscheidungen die Verantwortung zu übernehmen. Für beide ist die Freiheit ein Wert an und für sich, ein Ideal, das zum zentralen Thema ihrer Dra- men wird. Unter dem Eindruck seiner Erfahrung mit der Geschichte, kommt Schiller allerdings zu dem Schluss, dass eine real erlebbare Freiheit nicht mög- lich ist, und zeigt in seinen Werken entsprechend nicht die Freiheit des Indivi- duums, sondern seine Unfreiheit auf, um dem Zuschauer die eigene Lebenswirk- lichkeit vor Augen zu führen. Sartre hingegen dienen seine Dramen als Appell an den Rezipienten, Unfreiheit und Ungerechtigkeit nicht hinzunehmen, sondern nach Kräften zu bekämpfen. Obwohl Schiller und Sartre in der Praxis von Freiheit und Autonomie zu un- terschiedlichen Ergebnissen kommen (passive, innerliche Freiheit bei Schiller, aktive und kämpferisch-engagierte Freiheit bei Sartre), sind ihre Vorstellungen von den Grundvoraussetzungen für die Freiheit vergleichbar. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass das Denken und Handeln der von ihnen konzipierten Dramenfiguren oftmals aus der Sicht beider Freiheitskonzepte sehr ähnlich zu beurteilen ist. Das Verhalten...

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