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Von «Die Tartarn in Ungarn» bis zu «Moderne Helden»

Ungarisch-deutsche Dramenübersetzungen in der Habsburgermonarchie und ihre Ungarnbilder

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Zita Veit

In der deutschsprachigen Literatur bildete sich Anfang des 19. Jahrhunderts ein romantisches Ungarnbild heraus, das mit der Trias Liebe, Wein und Freiheit beschrieben werden kann. Inwieweit diese Wahrnehmungs- und Repräsentationsschemata in den ungarisch-deutschen Dramenübersetzungen der Habsburgermonarchie unterstützt bzw. mitkonstruiert wurden, zeigt die Analyse der Peritexte dieser Übersetzungen. Auch das Korpus der publizierten ungarisch-deutschen Dramenübersetzungen des 19. Jahrhunderts wird erarbeitet, wobei die Übersetzer und Übersetzerinnen sowie ihr Umfeld ebenso erforscht werden. Diese Forschungsarbeit zeigt die Wurzeln einer noch immer aktuellen Wahrnehmung Ungarns auf und untersucht die Rolle der Übersetzungen in asymmetrischen Machtverhältnissen zwischen Kulturen.

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1. Einleitung

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„das idyllische Land der ländlichen Einfach- heit und der Empfindsamkeit, das Land der Seele par excellence“ Während Frankreich, die grande nation Europas im ausklingenden 18. Jahrhun- dert, sein östliches deutsches Nachbarland als „das idyllische Land der länd- lichen Einfachheit und der Empfindsamkeit, das Land der Seele par excellence“ (Trouillet 1981:58) beschrieb, suchten deutschsprachige Intellektuelle die länd- liche Einfachheit und die Idylle weiter im Osten. Die Welt der Puszta evozierte das Ursprüngliche und Unberührte, und so bildete sich Ende des 18. Jahrhun- derts bzw. Anfang des 19. Jahrhunderts ein romantisches Ungarnbild heraus, das unter den Begriffen Liebe, Wein und Freiheit (Schlosser 1996) schlagwortartig zusammengefasst werden kann. In der nachfolgenden Untersuchung soll die Hypothese verifiziert werden, dass die publizierten ungarisch-deutschen Dramenübersetzungen der Habsbur- germonarchie im 19. Jahrhundert dieses romantische Ungarnbild unterstützten und festigten. Dadurch trugen diese Dramenübersetzungen zur Konstruktion ei- nes bestimmten Bildes der gesamten ungarischen Literatur im deutschen Sprach- raum der Monarchie bei. Die sich herausbildenden Klischees überstanden die Wirren des 20. Jahrhunderts und sind teilweise heute noch zu finden. Eine Auf- frischung erfuhren sie beispielsweise durch Filme wie Ich denke oft an Pirosch- ka (Hoffmann 1955). Auch in der dritten Episode des Films Der Bockerer (Antel 2000) „fehlen natürlich nicht die klassisch ungarischen Utensilien: Paprika, Ku- kuruz, Pußta, Zigeuner, Tanz“ (Rásky 2002:343). Damit ist die Beschäftigung mit diesem romantischen Ungarnbild nicht bloß eine Beschäftigung mit Vergan- genem, sondern ein Versuch, die Wurzeln einer noch...

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