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Von «Die Tartarn in Ungarn» bis zu «Moderne Helden»

Ungarisch-deutsche Dramenübersetzungen in der Habsburgermonarchie und ihre Ungarnbilder

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Zita Veit

In der deutschsprachigen Literatur bildete sich Anfang des 19. Jahrhunderts ein romantisches Ungarnbild heraus, das mit der Trias Liebe, Wein und Freiheit beschrieben werden kann. Inwieweit diese Wahrnehmungs- und Repräsentationsschemata in den ungarisch-deutschen Dramenübersetzungen der Habsburgermonarchie unterstützt bzw. mitkonstruiert wurden, zeigt die Analyse der Peritexte dieser Übersetzungen. Auch das Korpus der publizierten ungarisch-deutschen Dramenübersetzungen des 19. Jahrhunderts wird erarbeitet, wobei die Übersetzer und Übersetzerinnen sowie ihr Umfeld ebenso erforscht werden. Diese Forschungsarbeit zeigt die Wurzeln einer noch immer aktuellen Wahrnehmung Ungarns auf und untersucht die Rolle der Übersetzungen in asymmetrischen Machtverhältnissen zwischen Kulturen.

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2. Von der Übersetzungswissenschaft zur Übersetzungssoziologie

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Seit den 1960er Jahren rückte in den Kulturwissenschaften das Verhältnis zwi- schen Macht und Übersetzung verstärkt in den Mittelpunkt des Interesses. Die- ser power turn, der sich auch auf die Übersetzungswissenschaft auswirkte, führ- te zum Überdenken der Rollen und Positionen der AkteurInnen, die in die kultu- rellen Prozesse eingebunden sind. Dabei steht jener Paradigmenwechsel im Mit- telpunkt, der einerseits durch die Beschäftigung mit der Macht per se die Macht neutral definiert, andererseits jedoch die Positionierung der Beteiligten oder der Orte der Kulturvermittlung als kulturelle Mischformen versteht. Dadurch wer- den die unterschiedlichen kulturellen Identitäten und die Heterogenität der Ak- teure in den Vordergrund gestellt (vgl. Bhabha 2004)1. Im Mittelpunkt des Aufzeigens der Machtverhältnisse stehen somit keine bipolaren Dimensionen, sondern mehrschichtige, von mehreren Parametern ab- hängige (Macht-)Konstellationen. Auch im Habsburger Reich kann nicht in je- der Situation von bipolaren Machtverhältnissen die Rede sein. Im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses steht das Verhalten der ehemals Kolonisierten den ehemals Kolonisierenden, den Definitionsmächtigen, gegenüber sowie kul- turelle Anleihen und Querungen, die die Konstruktion von Identitäten zu bestim- men scheinen. Analysiert werden also die (Macht-)Strukturen in den nachkolo- nialen Systemen. Die wichtigsten Merkmale dieser komplexen soziokulturellen Systeme sind Differenz, Heterogenität, Hybridität und Vielstimmigkeit (vgl. Csáky/Feichtinger/Prutsch 2003:9). In hybriden Gesellschaften vervielfältigten sich die Träger der Macht (Kolo- nisierer), aber auch die Opfer der Kolonisierung (Kolonisierte) konnten sich in der Gesellschaft der Kolonisatoren behaupten. Wo finden sich...

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