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Das Bild als Erzieher

Daniel Nikolaus Chodowieckis Kinder- und Jugendbuchillustrationen in Johann Bernhard Basedows Elementarwerk und Christian Gotthilf Salzmanns Moralischem Elementarbuch

Jasmin Schäfer

Daniel Chodowieckis Kinder- und Jugendbuchillustrationen in Basedows Elementarwerk und Salzmanns Moralischem Elementarbuch – die zwei von ihm am umfangreichsten illustrierten philanthropen Erziehungsbücher – sind Gegenstand dieser kunsthistorisch-pädagogischen Untersuchung. Aufbauend auf den divergierenden Zielsetzungen und Methodiken Basedows und Salzmanns stehen die künstlerischen Charakteristika und Unterschiede in Bildkonzept, -aufbau und -sprache am Beispiel der Kinderspiele, der Berufe und des Toleranzgedankens in beiden Büchern vergleichend im Fokus. Diese Arbeit stellt somit zwei Typen von Chodowieckis philanthropen Edukationsgrafiken, die sich an ein kindliches Publikum richten, als bislang unbeachtete, aber bedeutsame Facette von Chodowieckis künstlerischem Schaffen erstmalig vor.

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4. Chodowieckis grafische Inszenierung der Berufe bei Basedow und Salzmann

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Die Darstellung der Berufe geht auf eine Tradition zurück, die bereits in der Literatur der frühen Neuzeit vorbereitet ist wie zum Beispiel in Jost Ammans (1539-1591) 1568 erscheinenden Ständebuch Eygentliche Beschreibung Aller Stände auff Erden714. Neben sechs Geistlichen und vier Adeligen überwiegt darin die Darstellung der Handwerksberufe in Schrift und Bild, die nach dem Prinzip der ständischen Ordnung eingeteilt sind. Das Buch folgt der grundlegenden Idee der gottgewollten Systematisierung der Welt, in der jedes Individuum seinen bestimmten Platz, seine Aufgabe und Funktion in der Gesellschaft übernimmt. Auch im 18. Jahrhundert findet diese Idee ihre modifizierte Weiterführung. Damit einhergehend ändert sich auch der Status der Arbeit in der Gesellschaft. Sie ist nunmehr keine von Gott auferlegte Last mehr, die in dem Sündenfall und der anschließenden Vertreibung aus dem Paradies ihren Ursprung findet und in diesem Kontext immer religiös eingebunden ist. Im Zeitalter der Aufklärung wird der religiöse Kontext durch den Gesellschaftsbezug ersetzt und die Berufs- wahl zugleich nicht mehr durch die Geburt definiert. Bereits Locke zielt auf eine Erziehung zur Arbeit ab715 und bricht damit mit der tradierten Vorstellung von Arbeit als Müßiggang und kontemplativem Le- ben. Stattdessen wird das Nicht-Arbeiten als Fehlen einer wirtschaftlichen Leis- tung, als Manko, angesehen.716 In seiner Schrift Some thoughts concerning edu- cation entwickelt er Erziehungsziele, die im Widerspruch zum arbeitslosen, pompösen Lebensstil des Adels stehen.717 Dies hat Konsequenzen für die phi- lanthrope Pädagogik, in welcher das Berufsthema Teil der p...

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