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40 Jahre Leichenshow – Leichenschau

Die Veränderung der audiovisuellen Darstellung des Todes im Fernsehkrimi "Tatort</I> vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels im Umgang mit Sterben und Tod

Stephan Völlmicke

«Tod im Fernsehen» und «Tod in der Realität» haben auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun, auf den zweiten Blick jedoch ist auch der fiktive Tod in Film- und Fernsehsendungen immer ein Produkt des Umgangs mit dem Tod in der Gesellschaft und umgekehrt. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung des Todes in den Medien, speziell im Tatort, und reflektiert dabei den Umgang mit Sterben und Tod in der Gesellschaft. In einer Langzeituntersuchung werden die Veränderungen der filmisch-gestalterischen Mittel der Todesdarstellung in der Krimireihe Tatort analysiert. Die Arbeit zeigt, dass es eine offensichtliche Tendenz zu immer längeren und gleichzeitig sehr nahen, distanzarmen Todesdarstellungen gibt, die eine bis dahin ungewohnte, sehr direkte und detailreiche Perspektive auf den toten Körper offeriert. Die Arbeit macht zudem deutlich, dass die Gründe für die zunehmenden und drastischeren Todesdarstellungen im Fernsehen nicht ausschließlich auf ihren hohen Unterhaltungswert zurückzuführen sind, sondern dass die gesellschaftlichen Veränderungen im Umgang mit Sterben und Tod einen wesentlichen Einfluss auf die Art und Weise der Todesdarstellungen im Fernsehen haben. Die Erzählungen vom Tod in den Medien thematisieren die in der Gesellschaft vorherrschenden Definitionen von Tod.

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2. Theoretischer Teil

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2.1 Der Begriff der Lebenswelt22 Lebenswelt ist derzeit die aktuelle Bezugsgröße in der Soziologie zur Beschrei- bung individuellen Handelns (vgl. Krotz 1990: 146). „Für den Fortschritt kom- munikationswissenschaftlicher Theoriebildung spielt die Analyse des lebens- weltlichen Kontextes, in den der Mediengebrauch eingebettet ist, eine Schlüssel- rolle.“ (Weiß 2000: 1) Der Begriff Lebenswelt wurde ursprünglich23 von Husserl als „[…] Korrektiv gegen die Reflexionslosigkeit der positivistischen Wissen- schaften in die philosophische Grundlagendiskussion eingeführt.“ (Krotz 1990: 146) Vor allem Schütz, Luckmann und Berger24 haben dann für die Verbreitung des Begriffs in den Sozialwissenschaften gesorgt. So entwirft Schütz aufbauend auf den Annahmen von Weber und den von Husserl entwickelten phänomenolo- gischen Methoden „[…] die Soziologie als Theorie der Lebenswelt. Aufgabe der Lebenswelt ist es, so Schütz, den durch das wechselseitige Handeln des Menschen entstehenden sinnhaf- ten Aufbau der sozialen Wirklichkeit zu rekonstruieren. Dabei kommt dem Hand- lungsbereich des Alltags, als pragmatisch primär relevanten Kern der in verschiede- ne Wirklichkeitsbereiche gegliederten Lebenswelt, die zentrale Bedeutung für die Untersuchung der Genese und Veränderung sozialer Wirklichkeit zu.“ (Endreß 2002: 334) 22 Kapitel 2 orientiert sich an den Ausführungen von Mikos 1992, 1994 und 2003a. 23 Hitzler verweist darauf, dass es sich bei der Lebenswelt um keinen genuin soziologi- schen Begriff handelt, sondern eigentlich ursprünglich um einen phänomenologischen Begriff (vgl. Hitzler 2008: 131). 24 Thomas Luckmann und Peter L. Berger haben eine neue Basis der Wissenssoziologie geschaffen. Ihr Buch Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit (erstmals...

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