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40 Jahre Leichenshow – Leichenschau

Die Veränderung der audiovisuellen Darstellung des Todes im Fernsehkrimi "Tatort</I> vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels im Umgang mit Sterben und Tod

Stephan Völlmicke

«Tod im Fernsehen» und «Tod in der Realität» haben auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun, auf den zweiten Blick jedoch ist auch der fiktive Tod in Film- und Fernsehsendungen immer ein Produkt des Umgangs mit dem Tod in der Gesellschaft und umgekehrt. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung des Todes in den Medien, speziell im Tatort, und reflektiert dabei den Umgang mit Sterben und Tod in der Gesellschaft. In einer Langzeituntersuchung werden die Veränderungen der filmisch-gestalterischen Mittel der Todesdarstellung in der Krimireihe Tatort analysiert. Die Arbeit zeigt, dass es eine offensichtliche Tendenz zu immer längeren und gleichzeitig sehr nahen, distanzarmen Todesdarstellungen gibt, die eine bis dahin ungewohnte, sehr direkte und detailreiche Perspektive auf den toten Körper offeriert. Die Arbeit macht zudem deutlich, dass die Gründe für die zunehmenden und drastischeren Todesdarstellungen im Fernsehen nicht ausschließlich auf ihren hohen Unterhaltungswert zurückzuführen sind, sondern dass die gesellschaftlichen Veränderungen im Umgang mit Sterben und Tod einen wesentlichen Einfluss auf die Art und Weise der Todesdarstellungen im Fernsehen haben. Die Erzählungen vom Tod in den Medien thematisieren die in der Gesellschaft vorherrschenden Definitionen von Tod.

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3. Der ‚reale‘ Tod im Kontext der Lebenswelt

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3.1 Der ‚reale‘ Tod im Kontext der Lebenswelt – Vorüberlegungen Da die Lebenswelt die subjektiv sinnhafte Erscheinungsform des Wissens von Welt ist, die im Rahmen der täglichen Lebenspraxis intentional die Handlungen der Subjekte steuert und sich in den strukturellen Komponenten der kulturellen Reproduktion, sozialen Integration und Sozialisation erschließt (vgl. Kap. 2.1), wird im folgenden Abschnitt versucht, die Lebenswelt in Bezug auf den Umgang mit Tod und Sterben zunächst theoretisch soziologisch ohne mediale Einflüsse als Kontrastfolie zu Kapitel 4 zu modellieren. „Der Tod ist nur von außen bekannt, er gestattet keine hermeneutische Annährung und keine teilnehmende Beobachtung. Der Tod lässt sich nicht umstandslos als Er- kenntnisgegenstand konstituieren: Dieser Satz bildet geradezu das notwendige nega- tive Axiom jeder wissenschaftlichen Thanatologie.“ (Macho 2000: 91) Der Tod entzieht sich somit als Ereignis jeder möglichen Erfahrung35 und folg- lich lässt sich auch nicht über die Erfahrung des Todes sprechen. „Worüber wir sprechen können, ist die Erfahrung mit dem Sterben anderer.“ (Bauman 1994: 67) Der Autor versucht daher, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und strukturellen Phänomene des modernen Sterbens und des Todes in das theoreti- sche Konzept der Lebenswelt in Form einer Gesellschaftsstrukturanalyse zu in- tegrieren. Natürlich impliziert ein solcher lebensweltorientierter Zugang zur sozialen Wirklichkeit des Umgangs mit Sterben und Tod eine soziologische Theorie, de- ren empirische Realisierung oder Überprüfung nicht ohne weiteres in formal- struktureller Sozialforschung aufgeht. Die phänomenologische Soziologie und ihre Methodologie sind dem interpretativen Paradigma zuzurechnen. Das bedeu- tet im...

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