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40 Jahre Leichenshow – Leichenschau

Die Veränderung der audiovisuellen Darstellung des Todes im Fernsehkrimi "Tatort</I> vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels im Umgang mit Sterben und Tod

Stephan Völlmicke

«Tod im Fernsehen» und «Tod in der Realität» haben auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun, auf den zweiten Blick jedoch ist auch der fiktive Tod in Film- und Fernsehsendungen immer ein Produkt des Umgangs mit dem Tod in der Gesellschaft und umgekehrt. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung des Todes in den Medien, speziell im Tatort, und reflektiert dabei den Umgang mit Sterben und Tod in der Gesellschaft. In einer Langzeituntersuchung werden die Veränderungen der filmisch-gestalterischen Mittel der Todesdarstellung in der Krimireihe Tatort analysiert. Die Arbeit zeigt, dass es eine offensichtliche Tendenz zu immer längeren und gleichzeitig sehr nahen, distanzarmen Todesdarstellungen gibt, die eine bis dahin ungewohnte, sehr direkte und detailreiche Perspektive auf den toten Körper offeriert. Die Arbeit macht zudem deutlich, dass die Gründe für die zunehmenden und drastischeren Todesdarstellungen im Fernsehen nicht ausschließlich auf ihren hohen Unterhaltungswert zurückzuführen sind, sondern dass die gesellschaftlichen Veränderungen im Umgang mit Sterben und Tod einen wesentlichen Einfluss auf die Art und Weise der Todesdarstellungen im Fernsehen haben. Die Erzählungen vom Tod in den Medien thematisieren die in der Gesellschaft vorherrschenden Definitionen von Tod.

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4. Der ‚mediale‘ Tod im Kontext der Lebenswelt

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4.1 Das Verhältnis medialer und sozialer Realität Im Zentrum des folgenden Kapitels soll nun die Frage stehen, auf welcher theo- retischen Basis sich Interdependenzen zwischen sozialer und medialer Realität und zwischen medialem und gesellschaftlichem Wandel plausibel begründen lassen. Das Fernsehen kann als das bedeutendste Kommunikationsmittel unserer medialisierten Welt angesehen werden. „Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“ (Luhmann 21996: 9) In Anlehnung an dieses Zitat Luhmanns können die „Le- benswelten als Medienwelten“ (Baacke/Sander/Vollbrecht 1990: 80; vgl. Kübler 2003: 1) charakterisiert werden.116 Sowohl individuelle und soziale Konstruktio- nen von Wirklichkeit als auch sozialer Wandel und normative Orientierungen werden im Rahmen von mediengestützter Kommunikation gebildet (vgl. Schmidt 1989: 173). Die Medien stellen somit neue Zugänge zu Wissensbestän- den, Orientierungen, Erfahrungen und Erlebnissen her und werden durch ihre unterschiedliche Nutzung zu Bestandteilen verschiedener Sinnwelten (vgl. Hitz- ler 1988: 49; vgl. Kap. 4.6.). Dies wirkt sich nachweislich auch auf unser indivi- duelles Wissen und unsere Wirklichkeitsdefinitionen, Meinungen, Gefühle und Argumente aus (vgl. Krotz 2001: 200). Medien treiben in diesem Sinne neben dem sozialen Wandel auch den gesellschaftlichen Wertewandel voran (vgl. Jar- ren 1994: 13). Sie „[…] bilden [.] ein Feld oder Felder der gesellschaftlichen Wirklichkeit, die wiederum Wirklichkeit schafft.“ (Bachmair 2007: 69) Die Frage nach dem Verhältnis von sozialer und medialer Realität sieht vor dem Hintergrund des oben erläuterten Verständnisses von Lebenswelt, Alltag und Kultur wie folgt aus. „Aus handlungstheoretischer...

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