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Zwischen Ritual und Tabu

Interaktionsschemata interkultureller Kommunikation in Sprache und Literatur

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Edited By E.W.B. Hess-Lüttich, Aleya Khattab and Siegfried Steinmann

Rituale und Tabus dienen in allen Gesellschaften zur Regulierung von sozialem Handeln, insofern sie Erwartungen über Ordnungsmuster und Verhaltensschemata festigen sowie Sanktionsmechanismen für regelwidriges und regelkonformes Verhalten bereitstellen. Die Regeln für Rituale und Tabus indes sind nicht immer leicht und allgemein zu formulieren, denn sie können nicht nur in hohem Maße von Kultur zu Kultur variieren, sondern auch innerhalb einer Gesellschaft gibt es hochgradig gruppen- und situationsspezifische Unterschiede. Insoweit Rituale und Tabus sprachlich sedimentiert und Gegenstand ästhetischer Modellierung sind, finden sie auch in den Textwissenschaften zunehmend Beachtung. Während Interaktionsrituale heute etablierter Gegenstand der Linguistik sind, bleibt die Untersuchung gerade von verbal manifestierten Tabus weiterhin Desiderat der Sprach- und Kulturwissenschaften im Allgemeinen sowie wie der interkulturellen Germanistik im Besonderen. Rituale als zugleich traditionsbildende und ordnungsschaffende routinisierte Handlungen und Tabus als zugleich selektiv wirkende und mit Sanktionen belegte Handlungen, sind symptomatisch für spezifische kulturelle Identitäten und führen im Falle von unterschiedlicher kultureller Prägung zu einem besonders starken Fremdheitserleben. Lerner einer fremden Sprache sollten daher nicht nur für die Tabus der Eigen- und Fremdkultur sensibilisiert werden, sondern auch ein Arsenal an Reparaturmechanismen und Kompensationsstrategien an die Hand bekommen, um im Falle einer Tabuverletzung dem Abbruch der Kommunikation entgegensteuern zu können. Dies aber führt zu der Frage, welche sprachlichen Mittel eine Bewältigung bzw. im Vorhinein eine Vermeidung von Tabus ermöglichen. Dazu kann auch die verständige Lektüre ihrer literarischen Problematisierung fruchtbar beitragen.

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Vorwort

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Die Beiträge zu diesem Band über das aktuelle Thema „Zwischen Ritual und Tabu“ sind aus einem Colloquium hervorgegangen, das die Gesell- schaft für interkulturelle Germanistik (GiG) im November 2010 in Ver- bindung mit der Außenstelle des DAAD in Kairo veranstaltete. Eine Auswahl der eingereichten und nach der Tagung zu wissenschaftlichen Aufsätzen ausgearbeiteten Referate wurde in drei Kapiteln zur Sprache, zum Bereich Deutsch als Fremdsprache und zur Literatur geordnet. Das erste Kapitel wird eröffnet mit zwei Grundsatzreferaten zum Be- griff des Tabus und zum Tabubruch in der interkulturellen Kommunika- tion einerseits und andererseits zur symbolischen Kompetenz und zur Konstruktion bzw. Rekonstruktion von Ritualen in Erzählzusammenhän- gen. Sie dienen zugleich zur Orientierung über das Anliegen des Bandes und geben einen Überblick über dessen thematisches Spektrum. Ihnen folgen speziellere Beiträge zu sprachlichen Tabus oder zu Tabudiskursen in der Sprachwissenschaft auf verschiedenen Ebenen linguistischer Analyse, so z.B. auf phonetischer Ebene zum Normbruch durch (phoneti- sche) Interferenzen im Kontext der Sprechwirkungsforschung, auf lexi- kalischer Ebene zum Tabu-Wortbestand im deutsch arabischen Vergleich oder auf pragmatischer Ebene zur Funktion von Tabus im Sprachverhal- ten marokkanischer Jugendlicher. Dem genius loci sind auch weitere Beiträge mit Bezügen zum deutsch-arabischen Kontakt geschuldet, etwa zur Rolle der arabischen Sprache als lingua sacra mit einem Seitenblick auf die anhaltenden De- batten über die Frage der Legitimität von Koran-Übersetzungen oder die gewiss kontrovers zu beantwortende Frage nach der Integrationsbereit- schaft (die das Erlernen der Sprache des Gastlandes einschließt) musli- mischer...

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