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Die personenkonstituierenden Motive im Gesamtwerk von Siegfried Lenz

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Melanie Keutken

«Man kann gehen, wohin man will, man kommt nie als der zurück, der man einmal war.» Das vorangestellte Zitat aus dem 1990 veröffentlichten Roman Die Klangprobe von Siegfried Lenz weist bereits indirekt auf das Thema der Untersuchung hin: Im Vordergrund der Arbeit stehen die Handlungen des fiktiven Personals, sowie die äußeren und inneren Umstände, welche Veränderung evozieren bzw. Handlungen bedingen. Anhand der personenkonstituierenden Motive soll dargestellt werden, auf welche Weise Lenz sein «Personal» im Gesamtwerk handeln und entscheiden lässt. Um einen besseren Überblick zu gewährleisten, wird das Lenzsche Œuvre nach Gattungen getrennt und innerhalb dieser chronologisch bearbeitet.

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2.) Motiv: Eine definitorische Abgrenzung

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2.1. Einleitung Bevor mit der Analyse der personenkonstituierenden Motive in den Romanen, Erzählungen und Bühnenstücken in den Kapiteln 3, 4 und 5 begonnen werden kann, ist es zwingend erforderlich eine exakte Definition des in dieser Arbeit ver- wendeten Begriffes vorzulegen, um Missverständnissen vorzubeugen. Der Fokus dieser Untersuchung liegt ausdrücklich auf den psychologischen Aspekten von Motiven, wie sie in der Psychoanalyse Sigmund Freuds erarbei- tet werden. Der Begriff Motiv wird in dieser Arbeit folglich seiner lateinischen Wortherkunft entsprechend (,motus‘ = Bewegung; Erregung; Aufstand und ,movere‘ = bewegen; veranlassen) als reiner Beweggrund verstanden, der zu Handlungen führt, bzw. diese verändert. Des Weiteren wird der Begriff ,Motiv‘ im Zuge dieser Definition mit dem Begriff ,Motivation‘ gleichgesetzt und als zielgerichteter Zustand interpretiert: Die psychologisierende Qualität der einzel- nen Motive sei daher vorausgesetzt. Hierzu bemerkt der Schriftsteller Siegfried Lenz in einem Interview aus dem Jahr 1972: „Ich glaube, kein Schriftsteller kommt ohne Psychologie aus; denn rabiate Verstöße gegen psychologische Erkenntnisse werden gleich vom Leser geahndet mit dem Verdikt der Unglaubwürdigkeit. Insofern ist die Psychologie eine immanente Komponente beim Schrei- ben. Sie ist einfach beigegeben, sie ist unwillkürlich existent und übt ihren Einfluß unwill- kürlich aus. In dem Augenblick, wo man sich allzu generös über sie hinwegsetzt, kommt es natürlich zu Katastrophen im Personal.“18 Neben der Hauptkomponente Psychologie, vertreten durch die Arbeiten Freuds, werden außerdem die Philosophie (Immanuel Kant und Nicolai Hartmann), sowie die Soziologie (Max Weber und Alfred Schütz) im...

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