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Die personenkonstituierenden Motive im Gesamtwerk von Siegfried Lenz

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Melanie Keutken

«Man kann gehen, wohin man will, man kommt nie als der zurück, der man einmal war.» Das vorangestellte Zitat aus dem 1990 veröffentlichten Roman Die Klangprobe von Siegfried Lenz weist bereits indirekt auf das Thema der Untersuchung hin: Im Vordergrund der Arbeit stehen die Handlungen des fiktiven Personals, sowie die äußeren und inneren Umstände, welche Veränderung evozieren bzw. Handlungen bedingen. Anhand der personenkonstituierenden Motive soll dargestellt werden, auf welche Weise Lenz sein «Personal» im Gesamtwerk handeln und entscheiden lässt. Um einen besseren Überblick zu gewährleisten, wird das Lenzsche Œuvre nach Gattungen getrennt und innerhalb dieser chronologisch bearbeitet.

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6.) Abschließende Überlegungen

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Die vorliegende Dissertation zeigt anhand der zahlreichen Motivanalysen sehr deutlich auf, dass nicht nur das Gesamtwerk von Siegfried Lenz, sondern auch der Autor selber über einen außergewöhnlichen Facettenreichtum in Bezug auf Motive, Sujets und Ideen verfügen. Lenz, der von Kritikern und Rezensenten bis in die Gegenwart hinein hauptsächlich als ,Nachkriegsautor‘ verstanden wird, entspricht dieser Perspektive dennoch nur partiell. Wenngleich er den Motiven Vergangenheitsbewältigung und Schuld häufig dadurch die Funktion eines personenkonstituierenden Motivs beimisst, indem er diese in den Themenkomplex Krieg integriert, scheut er nicht die Sujets und Probleme der Gegenwart. Bereits durch den dritten Roman ,Der Mann im Strom‘ zeigt sich Lenz Ende der 1950er Jahre erstens als ausdauernder Beobachter seiner Umwelt und zweitens als literarischer Prophet: Er weist nicht nur gezielt auf die aktuellen Probleme – z. B. durch den demographischen Wandel bedingt – hin, sondern erkennt darüber hinaus das Motiv Existenzangst als latent bestehende Variable der Gesellschaft an. Somit spiegelt „der gelassene Mitwisser“458 Lenz bereits in seinen frühen Werken auf gewohnt sensible Weise zeitlose, die Gesell- schaft nachhaltig beeinflussende Problematiken. Der Autor kultiviert seine soziologischen Qualitäten exponentiell zu seiner Literaturproduktion, da er generell von der Überlebensform des ,Einzelkämp- fertums‘ absieht und nur Beziehungen als wahre Daseinsmöglichkeit anerkennt. Während der Eremit Petrucha in dem Roman ,Es waren Habichte in der Luft‘ (1951) aufgrund von Isolation scheitert, gesteht Lenz dem polnischen Einsiedler aus dem Roman ,Duell mit dem Schatten‘ zwei Jahre später immerhin den Ansatz eines Ausweges zu:...

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