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Die personenkonstituierenden Motive im Gesamtwerk von Siegfried Lenz

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Melanie Keutken

«Man kann gehen, wohin man will, man kommt nie als der zurück, der man einmal war.» Das vorangestellte Zitat aus dem 1990 veröffentlichten Roman Die Klangprobe von Siegfried Lenz weist bereits indirekt auf das Thema der Untersuchung hin: Im Vordergrund der Arbeit stehen die Handlungen des fiktiven Personals, sowie die äußeren und inneren Umstände, welche Veränderung evozieren bzw. Handlungen bedingen. Anhand der personenkonstituierenden Motive soll dargestellt werden, auf welche Weise Lenz sein «Personal» im Gesamtwerk handeln und entscheiden lässt. Um einen besseren Überblick zu gewährleisten, wird das Lenzsche Œuvre nach Gattungen getrennt und innerhalb dieser chronologisch bearbeitet.

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7.) Exkurs zum Thema Suizid

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In Kapitel 2.5 wurde bereits auf die Moralphilosophie Kants rekurriert, um das Wesen der Freiheit definieren und in der Folge die ergänzenden Thesen Nicolai Hartmanns kanalisieren zu können. In diesem Exkurs zum Thema Suizid im Gesamtwerk von Siegfried Lenz soll ein weiteres Mal mit den kantschen Maxi- men begonnen werden. In seiner ersten Schrift ,Grundlegung zur Metaphysik der Sitten‘ befasst sich Kant mit dem Sujet Suizid: Er konstatiert, dass „sein Leben zu erhalten […] Pflicht“459 sei. Die dem Menschen ,a priori‘ gegebene Vernunft pro- duziere die Pflicht des Menschen, welche andauernde Gültigkeit besitze. Indem der Mensch das eigene Leben sowohl aus Neigung als auch aus Pflicht erhalte, zeige sich seine wahre Selbstliebe. Kant sieht davon ab, ein unglückliches und unerfülltes Leben aus Selbstliebe zu verkürzen: Er wertet diese Vorgehensweise zwar als moralischen Verstoß, formuliert jedoch kein eindeutiges Urteil zum Selbstmord. Gleichzeitig entwickelt der Philosoph einen Freiheitsbegriff, der einen Wider- spruch in sich birgt: Nur derjenige Mensch kann frei handeln, der sich den Sit- tengesetzen unterwirft, d. h. innerhalb einer vorgegebenen Struktur handelt460. Die Frage nach Handlungsfreiheit unter entkräfteten sittlichen Gesetzen wurde bereits gestellt und in Kapitel 3.4. ,Lebenslange Flucht/Brot und Spiele‘ bearbei- tet: Das kantsche Modell, in welchem Freiheit und Sittengesetze in einer Wech- selbeziehung stehen, konnte somit dekonstruiert werden. In gleicher Weise erfolgt nun die Annäherung an das Modell Vernunft/Pflicht – Lebenserhaltung. Die ,a priori‘ existierende Vernunft ist die Basis für ein moralisches Handeln nach Kant und eng mit der sittlichen...

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