Show Less

Propaganda oder Verständigung?

Instrumente französischer Kulturpolitik in Südbaden 1945-1949

Series:

Daniela Högerle

Die unmittelbaren Nachkriegsjahre sind in der französischen Besatzungszone von einer außergewöhnlichen Blüte des kulturellen Lebens gekennzeichnet. Von Theater- und Kinovorstellungen über Konzerte und Ausstellungen wurde der Bevölkerung eine Vielzahl an Veranstaltungen geboten. Verlage, Volkshochschulen, Centres de Documentation und Instituts Français wurden gegründet und leisteten einerseits einen Beitrag zur Demokratisierung und Umerziehung der Deutschen, andererseits dienten sie dem deutsch-französischen Austausch und der Verbreitung der französischen Kultur. Ein besonders wichtiger Aspekt französischer Kulturpolitik war die Steigerung des französischen Prestiges. Kultur wurde sowohl als Propagandainstrument als auch als Mittel der Verständigung eingesetzt. Vor dem Hintergrund der Intention der französischen Kulturpolitik steht deren Realisierung im Mittelpunkt der Arbeit. Am Beispiel der Stadt Freiburg im Breisgau wird der Fragestellung nach der Umsetzung der Kulturpolitik und der Resonanz auf die vielfältigen kulturellen Aktivitäten nachgegangen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

2. Besatzungs- und kulturpolitische Rahmenbedingungen für die französische Zone 1945 – 1949

Extract

2.1. Frankreich, die vierte Besatzungsmacht Frankreich wurde verspätet und eher widerwillig in den Kreis der Siegermächte aufgenommen.55 Es waren die USA, Großbritannien und Russland, die – ohne Anwesenheit Frankreichs – Anfang Februar 1945 auf der Konferenz von Jalta, die Zuweisung einer Besatzungszone für Frankreich beschlossen. Frankreich sollte eine Besatzungszone in Deutschland bekommen, die sich aus Teilen der britischen und der amerikanischen Zone zusammensetzte.56 Was mit Deutsch- land nach Kriegsende geschehen sollte, war in Frankreich in den unterschiedli- chen politischen und gesellschaftlichen Gruppen kontrovers diskutiert worden und stark von den überkommenen Erbfeind-Theorien geprägt.57 Die deutschlandpolitischen Ziele Frankreichs konzentrierten sich im We- sentlichen auf die Schlagworte „kein zentralistisches Reich mehr“ und „Sicher- heit und Kohle“.58 Um Deutschland zu schwächen, widersetzte sich Frankreich einer politischen Zentralisierung. Wirtschaftlich sollte Frankreich für die Jahre der deutschen Besatzung entschädigt werden, indem Deutschland Reparations- zahlungen leisten und die Besatzungszone wirtschaftlich ausgebeutet werden sollte.59 Das Saarland sollte an Frankreich angegliedert werden, um somit eine langfristige Stabilisierung der industriellen Vorrangstellung in Europa und die Internationalisierung der Ruhr zu gewährleisten.60 Wilfried Loth stellt in der französischen Deutschlandfrage dem „Dominanzkonzept“ ein „Integrationskon- zept“ gegenüber.61 55 Wolfrum, Edgar: In napoleonischer Tradition? Die Zukunft Deutschlands in französi- scher Sicht 1940-45, in: Wolfrum, Edgar/Fäßler, Peter/Grohnert, Reinhard: Krisenjah- re und Aufbruchszeit. Alltag und Politik im französisch besetzten Baden. 1945-1949, München 1996. S.31. 56 Ibid. S.31. 57 Vgl. die unterschiedlichen Positionen in: Wolfrum, Edgar: In napoleonischer Traditi- on? S.29ff. 58 Wolfrum, Edgar:...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.