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Propaganda oder Verständigung?

Instrumente französischer Kulturpolitik in Südbaden 1945-1949

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Daniela Högerle

Die unmittelbaren Nachkriegsjahre sind in der französischen Besatzungszone von einer außergewöhnlichen Blüte des kulturellen Lebens gekennzeichnet. Von Theater- und Kinovorstellungen über Konzerte und Ausstellungen wurde der Bevölkerung eine Vielzahl an Veranstaltungen geboten. Verlage, Volkshochschulen, Centres de Documentation und Instituts Français wurden gegründet und leisteten einerseits einen Beitrag zur Demokratisierung und Umerziehung der Deutschen, andererseits dienten sie dem deutsch-französischen Austausch und der Verbreitung der französischen Kultur. Ein besonders wichtiger Aspekt französischer Kulturpolitik war die Steigerung des französischen Prestiges. Kultur wurde sowohl als Propagandainstrument als auch als Mittel der Verständigung eingesetzt. Vor dem Hintergrund der Intention der französischen Kulturpolitik steht deren Realisierung im Mittelpunkt der Arbeit. Am Beispiel der Stadt Freiburg im Breisgau wird der Fragestellung nach der Umsetzung der Kulturpolitik und der Resonanz auf die vielfältigen kulturellen Aktivitäten nachgegangen.

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9. Schlussbetrachtung

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Im August 1947 erschien die Sonderausgabe von La France en Allemagne mit dem Titel „Information et Action culturelle“. Nach zweijähriger Okkupation sahen die Herausgeber und Autoren die Besatzungszeit an einem Wendpunkt angelangt und zogen Bilanz zu den vergangenen zwei Jahren. „Pourquoi som- mes-nous en Allemagne“ lautet die Frage im „Avant-Propos“: „Pour garantir notre sécurité en évitant que l’Allemagne demeure pour nous un risque perma- nent d’agression.“1449 Dieses Ziel sollte durch eine „transformation radicale de la mentalité allemande“1450 erreicht werden. Neben Reparationszahlungen und wirtschaftlicher Schwächung der Besatzungszone sollte die deutsche Mentalität radikal verändert werden: „C’est à l’âme allemande qu’il faut s’attaquer, c’est la mentalité des anciens et surtout des jeunes qu’il faut réformer, c’est la démocra- tie qu’il faut rendre vivante dans les mœurs et dans les cœurs, c’est une culture humaine et humaniste qu’il faut promouvoir.“1451 Frankreich sah sich als Kulturnation schlechthin für diese Aufgabe auserko- ren: Selbst unter dem Nazi-Regime habe Frankreich bei vielen deutschen Intel- lektuellen auf dem Gebiet der Literatur, Kunst, Wissenschaft und Lebensart als Vorbild gegolten.1452 Es sei Frankreichs Aufgabe, den Menschen in der besetzten Zone wieder demokratische Grundwerte und humanistische Ideale beizubringen und sie dementsprechend „umzuerziehen“. 1453 „Or la France, pays de la mesure, du bon sens, du goût, de la finesse, pays aussi de la Révolution et des droits de l’homme, pays exportateur des valeurs humanistes, est l’antidote tout indiqué pour l’âme allemande“.1454 Der Artikel bringt Frankreichs...

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