Show Less

Transitional Justice

Das Problem gerechter strafrechtlicher Vergangenheitsbewältigung

Series:

Edited By Ulfrid Neumann, Prittwitz and Paulo Abrao

Umbrüche im politischen System eines Staates stellen auch das Rechtssystem vor gewaltige Probleme. Das gilt in besonderem Maße dann, wenn es darum geht, systematische Menschenrechtsverletzungen eines diktatorischen Regimes nach dessen Ende rechtlich aufzuarbeiten. Die politischen Entscheidungen, die hier zu treffen sind und deren Rahmen sich schlagwortartig durch die Alternative Versöhnung oder Bestrafung kennzeichnen lässt, müssen sich zugleich an den Maßstäben von Recht und Gerechtigkeit messen lassen ( Transitional Justice). Dieser Band dokumentiert die Beiträge zu einem deutsch-brasilianischen Symposium zum Thema Transitional Justice, das im Juli 2012 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main stattfand. Kooperationspartner war unter anderem die Amnestiekommission des brasilianischen Justizministeriums.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Historische Deutungen und Transitional Justice: Anmerkungen für eine vergleichende Debatte

Extract

Marcelo D. Torelly1 Die Debatte über den historischen Kontext der politischen Transitionen in Brasi- lien und Deutschland ermöglicht uns, einige Schlüsselfragen über die Beziehung zwischen Geschichte und Transitional Justice gegenüberzustellen. So versucht dieser kurze Aufsatz fünf Grenzfragen aufzuwerfen, die die Begegnung und den Austausch des Historikers mit dem Juristen im konkreten Verfahren der Suche nach Gerechtigkeitsformen ermöglichen. Der Aufsatz folgt der Auffassung von De Greiff, dass die Transitional Justice keine „moderate“ Gerechtigkeitsform sei, sondern ein Zusammenhang von geeigneten Mechanismen, um eine be- stimmte Hinterlassenschaft zu bewältigen. Weil sich die jeweils aktuell prakti- zierte judiziale Gerechtigkeit zu dieser Bewältigung unvorbereitet zeige, sei es Aufgabe des Staates, eine breitere Gesamtheit von öffentlichen Politiken zu arti- kulieren.2 Aus unserer Sicht verstärkt diese Vorstellung die Perspektive, die wir hier erforschen möchten, nämlich: die Perspektive des Austausches von Kennt- nissen für den Aufbau von Gerechtigkeitsformen. 1. Das Problem der Wahrheit Die erste Schlüsselfrage, die sowohl von Historikern als auch von Juristen be- handelt werden sollte, ist die Frage nach der Existenz einer Wahrheit selbst. Me- chanismen der Transitional Justice wie die Wahrheitskommissionen suchen nach Kenntnisformen, die sich sowohl von der sogenannten „Prozesswahrheit“, an die viele Juristen gewöhnt sind, als auch von den von Historikern untersuchten Wahrheitsformen unterscheiden. Dennoch bleibt die Wahrheit für die Anknüp- fung von Beziehungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart relevant. Mit den Worten von Teitel: “historical inquiry and narrative play an important transitional role linking past to present....

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.