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«Did you acknowledge my last transmission?»

Sprechfunkverkehr in der Luftfahrt- Audioverbale Interaktion zwischen Flugsicherung und Crew

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Martina Sahliger

Diese Forschungsarbeit beschreibt die Alltagskommunikation zwischen Flugsicherung und Luftfahrzeugbesatzungen. Um einen Überblick über die Abweichungen von den von der ICAO vorgeschriebenen Phraseologien zu gewinnen, wurden insgesamt sieben Stunden Sprechfunkverkehr von zwei internationalen Flughäfen (New York JFK und Amsterdam Schiphol) aufgezeichnet und transkribiert. Anschließend wurden die Transkripte hinsichtlich der Abweichungsarten und deren Häufung analysiert. Auf der Basis soziolinguistischer Theorien erfolgte eine Thesenerstellung hinsichtlich deren Ursache. Die Auswertung der Daten deutet daraufhin, dass Lotsen wie Piloten gewohnheitsmäßig von den vorgeschriebenen Phraseologien abweichen. Obwohl Höflichkeitsfloskeln von der ICAO abgelehnt werden, sind Grüße trotzdem in jedem Sprecherwechsel zu verzeichnen. Diese stören jedoch den Ablauf der Interaktion nicht, sie erleichtern im Gegenteil die interkulturelle Kommunikation. Andere Abweichungen jedoch, wie beispielsweise das Weglassen von Maßeinheiten, können dagegen zu schwerwiegenden Missverständnissen führen. Es scheint außerdem so zu sein, dass die Sprechweise des einen Kommunikationspartners die des anderen maßgeblich beeinflusst. In der Arbeit wurden die Ursachen für die identifizierten Abweichungen herausgearbeitet, und es wurde der Frage nachgegangen, auf welche Weise das Risiko, welches damit zusammenhängt, zukünftig vermindert werden kann.

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Theoretischer Teil

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Im ersten Drittel dieser Arbeit sollen die Theorien vorgestellt werden, die quasi das „Knochengerüst“ dieser Arbeit bilden. Dabei stellt sich als erstes die Frage, was eigentlich der Anlass dafür ist, über das Thema „Standard“ und „Abwei- chungen“ nachzudenken. Offizielle Stellen der Flugsicherungsorganisationen werden nicht müde, zu betonen, dass es eigentlich keinen Anlass dafür gibt, sich über Sicherheitsfragen zu unterhalten. Die DFS ist stolz auf eine Erfolgsquote von 99,9 %, was unerwünschte Ereignisse angeht, lediglich bei 0,1% aller Flug- bewegungen innerhalb eines Jahres könne es zu unerwünschten Ereignissen kommen.13 Diese Zahlen mögen vielleicht richtig sein, zu verifizieren sind sie aber nicht. Im Rahmen dieser Arbeit soll aber darüber nachgedacht werden, wie der Standard des Sprechfunkverkehrs eigentlich beschaffen ist, wer ihn aus welchem Anlass erstellt hat, und weshalb die verantwortlichen Stellen so sehr darum be- müht sind, dass selbiger Standard auch eingehalten wird. Dazu wird zu Beginn dieser Arbeit das zentrale Ereignis dargestellt, welches den Anlass dafür bot, dass die Internationale Luftfahrtbehörde (ICAO) sich genötigt sah, den Sprech- funkverkehr in der Luftfahrt einem Normungsverfahren zu unterwerfen. Eine weitere Frage ergibt sich, weshalb es überhaupt zu Abweichungen kommen kann, wenn es schon Institutionen gibt, die auf die Einhaltung des Standards bedacht sind. Hier kommen sprachwissenschaftliche Überlegungen ins Spiel, die sich mit dem Spracherwerb als solches und mit dem Zweitsprach- erwerb im Besonderen beschäftigen. Dazu gibt es verschiedene Theorien, die sich mit der Hirnstruktur des Menschen und dessen...

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