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Mistrades bei Börsengeschäften

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Elisabeth Heuser

Wenn es infolge eines Fehlers beim Zustandekommen von Börsengeschäften zu nicht marktgerechten Preisen kommt, spricht man von Mistrades. Die Börsen sehen hierfür in ihren Geschäftsbedingungen regelmäßig Aufhebungsmöglichkeiten vor. Diese Arbeit untersucht öffentlich-rechtliche und privatrechtliche Aspekte einer Aufhebung. Im öffentlich-rechtlich ausgestalteten Börsenhandel wird die Vertragsaufhebung als Verwaltungsakt eingeordnet. Dies führt zur Auseinandersetzung mit Fragen der Berufs- und Eigentumsfreiheit. Die Ähnlichkeit eines Mistrades mit den Anfechtungsgründen des Bürgerlichen Gesetzbuches leitet zu einer privatrechtlichen Beurteilung sowie dem Aufsuchen von Gestaltungsmöglichkeiten im Mehrpersonenverhältnis. Schließlich werden die einzelnen Mistrade-Regelungen der deutschen Börsen behandelt.

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Kapitel 1 Grundlagen

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A. Einführung Wie bei allen Verträgen kann es auch bei Wertpapiergeschäften zu Fehlern beim Abschluss des Vertrags kommen. Durch menschliches oder technisches Versa- gen gelangen fehlerhafte Orders in das Handelssystem, die zu Geschäftsab- schlüssen führen, welche von dem bestehenden Marktkurs abweichen. Derartige fehlerhafte Geschäfte, die als „Mistrade“ tituliert werden, können zu erheblichen Verlusten führen. Der bisher aufsehenerregendste Fall eines Mistrades ereignete sich im Jahr 2005 an der Tokioter Börse. Hauptakteur war das Brokerhaus Mizu- ho Securities. Dieser Handelsteilnehmer verkaufte Aktien des Telekomdienst- leisters J-Com. Der Händler wollte eine Aktie für mindestens 610 000 Yen ver- kaufen. Aufgrund eines Tippfehlers lautete die Order jedoch auf 610 000 J-Com- Aktien für je 1 Yen. Auch als der Fehler kurz darauf bemerkt wurde, konnte der Auftrag nicht mehr zurückgenommen werden. Als fatal erwiesen sich dabei die unzureichenden Schutzmechanismen im Handelssystem der Tokyo Stock Ex- change. Den einzigen Schutz bot eine Regelung, wonach Verluste einer Aktie auf 15 % pro Tag begrenzt sind.1 Zwar sollte das Handelssystem an der Tokioter Börse bis 2009 verbessert werden, so dass unter anderem Fehlorder frühzeitig aus dem System genommen werden können.2 Die technischen Schutzmechanismen im elektronischen Han- delssystem einer Börse stellen aber nur eine Seite der Problembewältigung bei Mistrades dar. Bei (hohen) Verlusten durch eine Fehlorder schließen sich auf Vertragsaufhebung und Schadensersatz gerichtete Forderungen an. Fraglich ist daher, wie ein Mistrade rechtlich einzuordnen ist und unter welchen Vorausset-...

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