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Wie von Gott reden?

Ansätze der Theologie im 20. Jahrhundert

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Hanjo Sauer

Das 20. Jahrhundert zeichnet sich durch tief greifende Umbrüche in der Theologie aus. In sehr unterschiedlichen Ansätzen suchen Theologen und Theologinnen unter den Bedingungen ihrer Zeit das Geheimnis Gottes zur Sprache zu bringen. In dreißig Porträts werden diese Ansätze mit besonderer Berücksichtigung der Verflechtung von Biografie und Werk kurz dargestellt. Neben ausführlichen Literaturhinweisen ist jeweils ein Originaltext beigefügt. So soll deutlich werden, welche Herausforderung es darstellt, authentisch von Gott zu reden.

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1. Einführung: Ansätze der Theologie

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Was hat Menschen dazu gebracht, zum ersten Mal das Wort „Gott“ aus- zusprechen und damit ein namenloses Geheimnis zu benennen, das al- len Dingen in undurchschaubarer Weise zu Grunde liegt, deren Ursprung und Ziel ist? Hilfreich erscheint mir der tiefsinnige Hinweis des Theolo- gen Karl Rahner, dass es das Wort „Gott“ ist, das den Menschen zum Menschen macht.1 Was ist gemeint? Wenn der Mensch als jenes Wesen verstanden wird, das immer schon unterwegs ist, sich selbst zu transzen- dieren, die ihm gesteckten Grenzen – welcher Art sie auch immer sein mögen – zu überschreiten, dann benennt diese Dynamik der Selbsttran- szendenz ihren Inbegriff in dem Wort „Gott“. Denn dieses Wort bezeich- net nicht ein Ziel unter anderen, das dem Menschen in seiner Existenz vorschwebt, es bezeichnet nicht einmal das „höchste“ Ziel, das dann im- mer noch mit den anderen Zielen vergleichbar wäre, es bezeichnet viel- mehr jenes Prinzip, das den Menschen heimat- und ruhelos macht, das es ihm nicht gestattet, sich als fertig gestaltet genügsam zur Ruhe zu set- zen, sondern das ihn dazu bewegt, sich selbst zu überschreiten und – um es in traditioneller theologischen Sprache auszudrücken – im Endlichen auf das Unendliche hin angelegt zu sein. Wann das Wort „Gott“ zum ersten Mal ausgesprochen wurde, wissen wir nicht. Wir haben auch keinen Begriff davon, in welcher geschichtli- chen Stunde dieses Wort erstmals in aller Klarheit – soweit es diesbezüg- lich überhaupt so etwas wie Klarheit geben kann – in das menschliche Bewusstsein getreten ist. Es war in unserer...

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