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Wie von Gott reden?

Ansätze der Theologie im 20. Jahrhundert

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Hanjo Sauer

Das 20. Jahrhundert zeichnet sich durch tief greifende Umbrüche in der Theologie aus. In sehr unterschiedlichen Ansätzen suchen Theologen und Theologinnen unter den Bedingungen ihrer Zeit das Geheimnis Gottes zur Sprache zu bringen. In dreißig Porträts werden diese Ansätze mit besonderer Berücksichtigung der Verflechtung von Biografie und Werk kurz dargestellt. Neben ausführlichen Literaturhinweisen ist jeweils ein Originaltext beigefügt. So soll deutlich werden, welche Herausforderung es darstellt, authentisch von Gott zu reden.

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19. Gott in der Erfahrung des Menschen. Edward Schillebeeckx (1914 –2009)

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19. Gott in der Erfahrung des Menschen Edward Schillebeeckx (1914 –2009) Wie wenige Theologen des 20. Jahrhunderts steht Schillebeeckx für einen theologischen Ansatz, der konsequent auf die Alltagserfahrung des Menschen Bezug nimmt und die theologischen Gehalte der Tradition mit ihr zu vermitteln sucht. Auch andere Theologen und Theologinnen des 20. Jahrhunderts teilen mit ihm diesen Ansatz. So lässt sich das Werk von Karl Rahner als eine anthropologische Wende der Theologie charakteri- sieren. Diese wäre vollkommen missverstanden, wenn man annehmen würde, dass es sich um eine Themenverlagerung der Theologie handeln würde, dass also statt von „Gott“ vom Menschen und seiner Welt ge- sprochen werde. Die anthropologische Wende besagt vielmehr, dass die Rede von Gott, wenn sie verständlich sein soll, von dem auszugehen hat, was dem Menschen in „Unmittelbarkeit“ gegeben ist, seine eigene geis- tige Tätigkeit, also er selbst.1 Doch während Rahner in seiner Transzen- dentaltheologie dem Menschen zu vermitteln sucht, dass er in seiner geistigen Existenz immer schon Voraussetzungen macht, die seine Theo- logie auszufalten sucht, haben wir bei Schillebeeckx diesen anthropolo- gischen Ansatz weiter radikalisiert, insofern dieser dem metaphysischen Denken mit einer gewissen Skepsis begegnet und statt dessen näher an den faktischen geistigen Voraussetzungen der gegenwärtigen westlichen Gesellschaft bleiben möchte. Man könnte sagen, es ging Schillebeeckx darum, von Gott in der Sprache der Menschen zu sprechen. Dass dieses Bemühen sehr bald an eine deutliche Grenze kommt, weil im geistigen Klima einer Gesellschaft kaum Kategorien für das...

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