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Wie von Gott reden?

Ansätze der Theologie im 20. Jahrhundert

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Hanjo Sauer

Das 20. Jahrhundert zeichnet sich durch tief greifende Umbrüche in der Theologie aus. In sehr unterschiedlichen Ansätzen suchen Theologen und Theologinnen unter den Bedingungen ihrer Zeit das Geheimnis Gottes zur Sprache zu bringen. In dreißig Porträts werden diese Ansätze mit besonderer Berücksichtigung der Verflechtung von Biografie und Werk kurz dargestellt. Neben ausführlichen Literaturhinweisen ist jeweils ein Originaltext beigefügt. So soll deutlich werden, welche Herausforderung es darstellt, authentisch von Gott zu reden.

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24. Theologie der Befreiung. Gustavo Gutiérrez (* 1928)

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24. Theologie der Befreiung Gustavo Gutiérrez (* 1928) Die Theologie der Befreiung versteht sich als kontextuelle Theologie in der Folge des II. Vatikanischen Konzils, insbesondere seiner Pastoral- konstitution, die aus der Perspektive der Unterdrückten und Ausgebeu- teten die Glaubenserfahrung neu zu artikulieren sucht. Die Anfänge ge- hen bis zu den 1960er-Jahren zurück. Einer der wichtigsten Initiatoren, der auch den Begriff einer Theologie der „Befreiung“ geprägt hat, war Gustavo Gutiérrez. Es ging ihm um ein theologisch inspiriertes gesell- schaftliches Engagement für die sozioökonomische Entwicklung Latein- amerikas. Rezipiert wurde insbesondere auch die Kapitalismuskritik der marxistischen sozialwissenschaftlichen Theorie, wonach die wirtschaft- lich desolate Situation Lateinamerikas nicht zuerst als ein Problem der Rückständigkeit, sondern im Sinn der sogenannten Dependenztheorie als eines einer strukturellen Abhängigkeit verstanden werden muss. Gu- tiérrez konzipierte seine „Theologie der Befreiung“ erstmals im Jahr 1968 anlässlich eines Vortrags. 1971 wurde ein gleichnamiges Werk publiziert. Die biografische Verflechtung seiner pastoralen Arbeit mit der dort entwickelten Theologie schildert Gutiérrez in folgender Weise: „Ich kam 1960 nach der Beendigung meines Studiums in Europa (in Löwen und Lyon) nach Peru zurück und begann mit der Pastoralarbeit. Rasch ge- wann meine Arbeit einen lateinamerikanischen Bezug. Die pastorale Arbeit verband mich mit den Bevölkerungsgruppen, die zu einem neuen Bewußtsein erwacht waren und ihre Lage auf eine neue Art und Weise sahen. Das Teilen, das Zusammensein mit ihnen und die menschliche Nähe zu vielen innerhalb und außerhalb meines Landes...

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