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Wie von Gott reden?

Ansätze der Theologie im 20. Jahrhundert

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Hanjo Sauer

Das 20. Jahrhundert zeichnet sich durch tief greifende Umbrüche in der Theologie aus. In sehr unterschiedlichen Ansätzen suchen Theologen und Theologinnen unter den Bedingungen ihrer Zeit das Geheimnis Gottes zur Sprache zu bringen. In dreißig Porträts werden diese Ansätze mit besonderer Berücksichtigung der Verflechtung von Biografie und Werk kurz dargestellt. Neben ausführlichen Literaturhinweisen ist jeweils ein Originaltext beigefügt. So soll deutlich werden, welche Herausforderung es darstellt, authentisch von Gott zu reden.

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31. Die Armen als Ort der Theologie. Jon Sobrino (* 1938)

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31. Die Armen als Ort der Theologie Jon Sobrino (* 1938) Zu den gegenwärtig wichtigsten Vertretern der Theologie der Befreiung und der Weiterführung ihres Erbes gehört der Jesuit Sobrino. Die Theo- logie der Befreiung brachte nicht nur ein neues Thema in die Theologie ein, sondern vor allem eine neue Methode. Die neue erkenntnistheo- retische Vorentscheidung, soziale, politische, ökonomische und ökolo- gische Strukturen zu ureigenen Themen der Theologie zu machen, hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Theologie als Ganze. Konkret wird der für die Situation Lateinamerikas so nahe liegende Alltag des Kampfes der Armen und der Befreiung aus ihrer Situation der Unterdrückung ins Auge gefasst. Bereits an diesem Punkt scheiden sich die Geister, denn für eine traditionalistische Sicht ist diese Perspektive keine ursprünglich theologische, vielmehr wird unterstellt, dass sich damit die Theologie ins Schlepptau fremder Interessen nehmen lasse. Zudem erscheint der zentrale Begriff der „Praxis“ marxistisch inspiriert. Die Theologie gerät also in den Verdacht, die Fronten gewechselt zu haben und sich auf die Seite eines der hartnäckigsten Religionskritiker des 19. Jahrhunderts zu stellen. Nun spitzt aber die Befreiungstheologie die Situation noch zu, in- dem sie davon ausgeht, dass gerade diese Praxis, als Praxis des Glaubens nämlich, der Ort authentischer Gotteserfahrung sei. Damit scheint der Bruch zu einer traditionalistischen Sicht vollends vollzogen, weil der Blick und das Erkenntnisinteresse der Theologie sich scheinbar nicht mehr auf die Transzendenz, sondern nunmehr auf die Immanenz richtet und so so- mit eine Art Hochverrat ihrer ursprünglichsten Intention...

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