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Wertesysteme und Raumsemantik in den isländischen Märchen- und Abenteuersagas

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Werner Schäfke

Diese Arbeit widmet sich der spätmittelalterlichen Erzählliteratur Islands, wie sie in den sogenannten Märchen- und Abenteuersagas in Erscheinung tritt. Die Untersuchung stellt diese etablierte Gattungseinteilung in Frage und schlägt eine Neustrukturierung des Textkorpus auf der Grundlage der vermittelten Werte und Normen vor, die im Fokus der Analyse stehen. Die Arbeit weist nach, dass die vor allem in der älteren Forschung als stereotype Schemaliteratur betrachteten Texte sich hinsichtlich der immanenten Wertesysteme als äußerst vielfältig erweisen. Das hierarchische Gefüge von Normen wird differenziert herausgearbeitet und literaturhistorisch kontextualisiert in Bezug auf die Identitätskonstruktion der Protagonisten.

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IV Zusammenschau

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1 Typen von Werte- und Normensystemen Im Rahmen der Einzeltextanalysen wurden die jeweiligen Wertesysteme der Sa- gas formal beschrieben. Zur besseren Übersichtlichkeit werden sie hier noch einmal einander gegenübergestellt. Das vorherrschende Wertesystem in der Bósa saga lautet • [+ groß] ר [+ stark/mächtig] ר ( [+ freigebig] ↔ [+ beliebt] ) ← [+ adlig]. Für die Samsons saga gilt • [+ adlig] ← [+ höfische Umgangsformen] ← [+ Ruhm] ← [+ Prinzessinnen kennen] ← [+ heiratsfähig] ← [+ Ehre] ← [+ Überlegtheit]. Die Untersuchung der Ectors saga ergab • [+ adlig] ↔ [+ stark/mächtig] ר [+ körperliche Fertigkeiten] ר [+ gebildet] ← [+ Ruhm] ← [+ heiratsfähig]. Nach Glauser (1983, S. 168 191 194 und 198) müsste für alle Texte folgendes Wertesystem gelten:433 • [+ Adel/aristokratisch] ↔ [+ christlich] ↔ [+ ebenbürtig verheiratet] ↔ [+ Erziehung/höfisch gebildet] ↔ [+ Freigebigkeit/Milde/Güte] ↔ [+ gut] ↔ [+ männlich] ↔ [+ Maß] ↔ [+ menschlich] ↔ [+ Reichtum/Macht/Rang] ↔ [+ ritterlich] ↔ [+ Schönheit/Erscheinung] ↔ [+ Stärke]. Es wird deutlich, dass alle Wertesysteme komplexer strukturiert sind, als mit Glauser (1983) anzunehmen wäre, der alle Werte als äquivalent zueinander be- schreibt (vgl. Forschungsfrage 1). Diese komplexeren Systeme spiegeln elabo- riertere Wertediskurse wider als lediglich die Bestätigung einer Rittertumsideo- logie, die Glauser (1983) in den Märchensagas sieht. Die Verschiedenheit der Systeme zeigt darüber hinaus, dass die Texte durchaus nicht nur Variationen eines Schemas darstellen, sondern individuelle Züge tragen, die eingehendere Analysen der einzelnen Texte rechtfertigen und nicht nur Untersuchungen auf der Breite des gesamten Korpus, da die Sagas jeweils eigene Positionen im lite- raturhistorischen Diskurs...

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