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Einzig und allein

Ledige Figuren in der Belletristik

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Andrea Bugge

Diese Arbeit vergleicht die literarischen Darstellungen des ledigen Menschen und die Thematik der Ehelosigkeit in ausgewählten Romanen und Erzählungen aus dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Unter Einbezug textsoziologischer, intertextueller, sozialgeschichtlicher, soziokultureller und genderspezifischer Zusammenhänge weist die Autorin den Einfluss des frühromantischen Liebesideals auf die Gestaltung lediger Figuren der folgenden literarischen Strömungen nach. Dabei wird erkennbar, wie prägnant der Typus des «Hagestolzes», der «alten Jungfer» und des postmodernen Singles die Frage nach dem Wesen des Menschen und seinen ästhetischen Ausdrucksformen spiegelt, trotz und gerade wegen der ihm zu allen Zeiten zugeschriebenen scheinbaren sozialen Mangelhaftigkeit.

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1 Einleitung

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„Literatur ist eine Antenne für das Aufspüren von Zuständen und Wandlungen des Ich in seinem Ver- hältnis zu sich selbst, zum Anderen in sich, aber auch im Verhältnis zu anderen Menschen.“1 1.1. Thematische Einführung Der Status des/der Unverheirateten lässt sich in keiner Epoche von dem der Familiengemein- schaft trennen. Das 18. Jahrhundert, mit dem der Untersuchungszeitraum der in den folgenden Kapiteln vorgestellten belletristischen Texte beginnt, bietet einen ganz anderen Familienbe- griff als heute: Das „ganze Haus“ bezeichnet eine Wirtschaftsgemeinschaft, in der jedes Mitglied seinen Beitrag zur Aufrechterhaltung leisten muss, nicht nur zum Gefallen des Haus- vaters und der Hausmutter, sondern auch zur eigenen Existenzsicherung. Außer den Eheleuten und deren Kindern gehören diesem Kleinkosmos Verwandte und Bedienstete an. Viele der un- verheirateten Mitglieder arbeiten in diesem Haushalt, in dem die vielfältigsten Tätigkeiten anfallen. Weniger intensiv als in den ländlichen Haushalten, werden jedoch auch im städti- schen bürgerlichen Haus mit Hinterhof und Garten, wie es beispielsweise Eugenie Marlitt in ihren Romanen beschreibt, Kleintiere gehalten und eigenes oder zugekauftes Gemüse und Obst verarbeitet. Die Zubereitung der Mahlzeiten ist sehr arbeitsintensiv und viele der benö- tigten Kleidungsstücke werden, obwohl Schneiderwerkstätten diese Arbeiten bei Bedarf übernehmen können, von den Frauen des Hauses in Handarbeit gefertigt. Wenngleich ihre Ehelosigkeit verpönt ist, wird die ledige Frau als Arbeitskraft geschätzt. Mit Zunahme der In- dustrialisierung, die ursprünglich im Haushalt erzeugte Güter sozusagen frei Haus...

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