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Einzig und allein

Ledige Figuren in der Belletristik

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Andrea Bugge

Diese Arbeit vergleicht die literarischen Darstellungen des ledigen Menschen und die Thematik der Ehelosigkeit in ausgewählten Romanen und Erzählungen aus dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Unter Einbezug textsoziologischer, intertextueller, sozialgeschichtlicher, soziokultureller und genderspezifischer Zusammenhänge weist die Autorin den Einfluss des frühromantischen Liebesideals auf die Gestaltung lediger Figuren der folgenden literarischen Strömungen nach. Dabei wird erkennbar, wie prägnant der Typus des «Hagestolzes», der «alten Jungfer» und des postmodernen Singles die Frage nach dem Wesen des Menschen und seinen ästhetischen Ausdrucksformen spiegelt, trotz und gerade wegen der ihm zu allen Zeiten zugeschriebenen scheinbaren sozialen Mangelhaftigkeit.

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3 Die Art erhalten: Adalbert Stifters „Sanftes Gesetz“

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„… was er sonst anstrebte, erreichte er nicht, oder er erreichte es anders, als er gewollt hatte oder er wollte es nicht mehr erreichen; denn die Dinge kehrten sich um, und was sich als groß gezeigt hatte, stand als Kleines am Wege, und das Unbeachtete schwoll an und entdeckte sich als Schwer- punkt der Dinge, um den sie sich bewegen.“1 So umschreibt Stifter das Resümee der Erfahrungen des Erzählers, das sich auf die im An- schluss seiner Ausführungen erzählte Lebensgeschichte des alten „Waldgängers“ Georg übertragen lässt, der zuerst allein durch die Wälder streift und später dem Hegerbuben Simi im Wald Elementarunterricht erteilt. Nicht nur in diesem Zitat wird Stifters Auffassung einer Verquickung des Großen und Kleinen sichtbar, sondern in seinem ganzen Werk, ebenso in den biografischen Fragmenten, wenn er schreibt, dass sein Leben so unspektakulär gewesen wäre, „wie ein Halm wächst.“2 Diese Aussage mag auf eine Bescheidenheit hindeuten, die den Men- schen im Rahmen der Natur nicht bedeutender sieht, als eine Pflanze oder ein Krümel Erde, gleichzeitig ist aber gerade im Sinn des „sanften Gesetzes“ das Kleine ebenso elementar wie das Große. Stifter meditiert über diese Auffassung in der Vorrede zu „Bunte Steine“ (1852), obwohl ihm theoretische Ausführungen nicht liegen, lieber beschreibt und erzählt er. Vor allem möchte er die Angriffe seiner Kritiker entkräften, allen voran Friedrich Hebbel, der in dem Epigramm „Die alten Naturdichter und die neuen“, das für...

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