Show Less

Einzig und allein

Ledige Figuren in der Belletristik

Series:

Andrea Bugge

Diese Arbeit vergleicht die literarischen Darstellungen des ledigen Menschen und die Thematik der Ehelosigkeit in ausgewählten Romanen und Erzählungen aus dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Unter Einbezug textsoziologischer, intertextueller, sozialgeschichtlicher, soziokultureller und genderspezifischer Zusammenhänge weist die Autorin den Einfluss des frühromantischen Liebesideals auf die Gestaltung lediger Figuren der folgenden literarischen Strömungen nach. Dabei wird erkennbar, wie prägnant der Typus des «Hagestolzes», der «alten Jungfer» und des postmodernen Singles die Frage nach dem Wesen des Menschen und seinen ästhetischen Ausdrucksformen spiegelt, trotz und gerade wegen der ihm zu allen Zeiten zugeschriebenen scheinbaren sozialen Mangelhaftigkeit.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

5 Ungerechtfertigt unverheiratet: Kafkas Dilemma zwischen literarischer und familiärer Welt

Extract

5.1. Verloren für den menschlichen Verkehr1: Die Tragik des Junggesellen Kafka ist der Junggeselle der Weltliteratur.2 Kafkas Werk durchzieht der Typus eines singulären, meist männlichen Subjekts, das, auch wenn es in manchen der Texte nicht dezidiert als ledig oder als Junggeselle bezeichnet wird, sich anhanglos, weder mit Herkunftsfamilie noch mit Ehefrau und Kindern (das Benehmen des Landvermessers K., der seine Frau mit Kind zu Hause gelassen hat, ist jedoch gleicherma- ßen „junggesellenmässig“3), sich einer fremden, undurchschaubaren Machtkonstellation gegenübersieht. Der Alleinstehende bekommt am meisten ab, weil er schutzlos ist, an ihm zeigt Kafka den Status des Individuums. Für den Fall, dass ein lediger Protagonist als Famili- enmitglied seiner Herkunftsfamilie präsentiert wird, wird er isoliert dargestellt, denn zwischen ihm und dem Vater herrscht ein Machtgefälle, eine mystisch-undurchdringliche Konstellation, die sich den Versuchen widersetzt, ihr durch die Gründung einer eigenen Familie zu entkommen. Allfällige Fluchtversuche enden tödlich („Das Urteil“), unmerkliche Emanzipati- onsversuche eines jungen Textilvertreters, Gregor Samsa, der mit seinem Verdienst Eltern und Schwester ernährt, führen zur schrecklichen Verwandlung in einen Käfer, der als das behan- delt wird, als was er erscheint: ein nutzloses Ungeziefer, das nach seinem Tod hinausgekehrt wird („Die Verwandlung“). Kafkas häufige Darstellung des von Ehe und Familie entbundenen männlichen Subjekts trägt ihm bereits in den Kritiken zur Zeit nach Veröffentlichung seines ersten Text-Bandes „Betrachtungen“ daher nicht zu Unrecht die Bezeichnung „Junggesellen- kunst“4 ein, wenngleich der Rezensent diese nicht n...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.