Show Less

Einzig und allein

Ledige Figuren in der Belletristik

Series:

Andrea Bugge

Diese Arbeit vergleicht die literarischen Darstellungen des ledigen Menschen und die Thematik der Ehelosigkeit in ausgewählten Romanen und Erzählungen aus dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Unter Einbezug textsoziologischer, intertextueller, sozialgeschichtlicher, soziokultureller und genderspezifischer Zusammenhänge weist die Autorin den Einfluss des frühromantischen Liebesideals auf die Gestaltung lediger Figuren der folgenden literarischen Strömungen nach. Dabei wird erkennbar, wie prägnant der Typus des «Hagestolzes», der «alten Jungfer» und des postmodernen Singles die Frage nach dem Wesen des Menschen und seinen ästhetischen Ausdrucksformen spiegelt, trotz und gerade wegen der ihm zu allen Zeiten zugeschriebenen scheinbaren sozialen Mangelhaftigkeit.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

6 Allein(,) eine Frage der Existenz: Ledige Außenseiter in der Literatur des 20. Jahrhunderts

Extract

6.1. Einzelarbeit: Kafkas und Camus' Sisyphusmythos „… immerfort kommt es auf dich an und ohne Ergebnis. Sisyphus war ein Junggeselle.“1 „Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“2 Es erscheint auf den ersten Blick befremdlich, dass Albert Camus in seinem Essay „Der Mythos von Sisyphos“ (1942) Überlegungen zur existentialistischen Philosophie des 20. Jahr- hunderts anhand einer mythologischen Gestalt entwickelt und darstellt, des listigen wie habgierigen Seefahrers Sisyphos nämlich, der nach der tollkühnen Gefangennahme des Toten- gottes von Hermes zu der berühmten ewigen Strafarbeit verurteilt wurde. Camus hebt die Singularität Sisyphos' hervor, um sie in einem Modell des einzelnen Menschen, des männli- chen3 Ichs, von den mythologischen, antiken Anfängen bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts aufzuzeigen. Eine kürzere Zeitspanne freilich umfasst der Existentialismus als Denkrichtung selbst, der mit seinen Vorläufern im 19. Jahrhundert (Kierkegaard, Stirner, Nietzsche) über seine Vertreter im 20. Jahrhundert (Jaspers, Heidegger, Sartre, Camus) bis ins postmoderne Denken (Levinas, Foucault) reicht. Für Kafka ist Sisyphos der Junggeselle schlechthin, obwohl er es der Sage nach eigentlich nicht war, doch ist er wie geschaffen, die Situation des Ledigen zu verkörpern: die vergebliche, mühsame, nie zu bewältigende Arbeit der Ich-Findung und sozialen Rechtfertigung, nicht den Normen der Verheiratung und Eltern- schaft zu entsprechen, die durch gesellschaftliche Ausgrenzung hervorgerufene Einsamkeit und Eigenverantwortlichkeit. Camus hingegen lenkt die Gedanken des Lesers/der Leserin auf den weniger beachteten Teil der Sage und damit auf einen potenziell optimistischen Aspekt,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.