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Die Jakobiner in Österreich

Verfassungsdiskussionen in der Habsburgermonarchie zur Zeit der Französischen Revolution

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Lucian Maximilian Röthlisberger

1794/95 fanden in der Habsburgermonarchie im größeren Rahmen Prozesse gegen als gefährliche Verschwörer eingestufte Sympathisanten der Französischen Revolution statt. Die vorliegende Untersuchung befasst sich mit den Einflüssen der politischen Entwicklung in Frankreich auf diese sogenannten Jakobiner, dargelegt anhand von Beispielen ihrer politischen und rechtlichen Ansichten aus den erhaltenen Prozessakten, und hinterfragt die tatsächliche Gefährlichkeit dieser Personen. Dabei lässt sich ein maßgeblicher Einfluss der revolutionären Geschehnisse und der aufgeklärten Literatur eindeutig nachweisen. Doch auch der aufgeklärte Absolutismus hat eine wichtige Rolle gespielt.

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3 Die Folgen

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Die Wiener Bevölkerung zeigte großes Interesse am Prozessausgang.549 Diese Aufmerksamkeit war wohl nicht zuletzt bedingt durch die ungewöhnlich strenge Geheimhaltung während des Verfahrens und die Gerüchte, die schon seit Mona- ten im Umlauf waren. Zur tatsächlichen Stimmung in der Bevölkerung gibt es unterschiedliche Quellen, die nicht alle unbedingt verlässlich sind. Dass die meisten Wiener den als „Jakobiner“ und „Klubisten“ bezeichneten Verurteilten aber eher negativ ge- genüberstanden, geht aus den verschiedenen Quellen – hauptsächlich erhaltene Briefe und gedruckte Berichte, aber auch Mitteilungen von Diplomaten – doch recht eindeutig hervor. Teilweise ist sogar die Rede von einer regelrechten „Ja- kobinerfurcht“, die in der Stadt umgegangen sein soll.550 Die demokratischen Stimmen, auch zuvor schon nur vereinzelt hörbar, ver- stummten nun nahezu vollkommen.551 Die offizielle Erklärung der Beendigung der Revolution in Frankreich wenige Jahre später und die Rückkehr zu einem etwas konservativeren Klima führten dazu, dass die im deutschsprachigen Raum noch übriggebliebenen Schwärmer sich keine Hilfe aus Frankreich mehr erhof- fen konnten. Als Folge der Eroberungszüge Napoleons begann sich nun zuneh- mend auch eine patriotische Haltung zu entwickeln, die nicht wie zuvor mit ei- ner kosmopolitischen Weltsicht vereinbar war, sondern verbunden mit einem ausgeprägten Franzosenhass; die Epoche des Nationalismus hatte begonnen. Erst im Vormärz begannen auch in der Habsburgermonarchie Forderungen nach Reformen in Flugblättern und Literatur wieder stärker zu werden. In eini- gen politisch motivierten Schriften wurde sogar auf die österreichischen „Jako- biner“ des ausgehenden...

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