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Deutsch-polnische Familien: Ihre Sprachen und Familienkulturen in Deutschland und in Polen

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Barbara Janczak

Dieses Buch behandelt aus vergleichender Perspektive die sprachlichen Verhältnisse und Familienkulturen von deutsch-polnischen Familien (in denen Frauen Polinnen sind) in Deutschland und in Polen. Der Ansatz ist interdisziplinär und berührt Gebiete der Soziolinguistik und der Familiensoziologie. Ziel der Studie ist zu erfahren, wie die sprachlichen und familiären Verhältnisse in deutsch-polnischen Familien aussehen und wie sie festgelegt werden. Die empirische Untersuchung besteht aus zwei Teilen: der Fragebogenuntersuchung und den Interviews. Die Arbeit liefert Erkenntnisse über die Einzelsprache und -kultur hinaus in Bezug auf Bilingualität und Bikulturalität, indem sie Auskunft über Einigungsprozesse bezüglich der Schaffung einer Familiensprache und -identität in einer bikulturellen Familie gibt.

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5. Die gegenwärtige Familie – Deutschland und Polen im Vergleich

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In Zeiten der Globalisierung und des allgemein herrschenden Pluralismus ändern sich die familiären Lebensformen sehr rasch. Es ist nicht einfach, Aussagen über „typisch“ polnische oder deutsche Familien zu formulieren. Im folgenden Kapitel wird trotzdem versucht, anhand der zahlreichen Statistiken und ergänzenden Literatur, die Unter- schiede aber auch Gemeinsamkeiten zwischen deutschen und den polnischen Famili- enstrukturen festzulegen. In Polen und Deutschland, genauso wie in ganz Europa (vor allem in Westeuro- pa), beobachtet man weitgehende Veränderungen des traditionellen Familienmo- dells.126 Immer mehr Menschen verzichten auf eine Eheschließung, Kinder, eine klare Rollenaufteilung und einen gemeinsamen Wohnsitz. Der Trend begann in Amerika und Westeuropa schon in den 1960er Jahren und wurde in Polen erst nach der Wende mit der Ära der Yuppie-Generation127 sichtbar.128 Zu den wichtigsten Trends der modernen Familie zählen erstens- der sich mit je- dem Jahr vergrößernde Geburtenrückgang, zweitens- die Erhöhung des durchschnittli- chen Alters bei der Eheschließung, drittens- der Anstieg der Scheidungsrate und vier- tens- der Gewinn an Popularität alternativer Partnerbeziehungsformen, wie z.B. ehe- ähnlicher Beziehungen (cf. Jaroszewska 2003, 22-23). Das am häufigsten vertretene Familienmodell in Bezug auf die Kinderzahl war bis in die 1990er Jahre in Polen „2+2“ (zwei Eltern + zwei Kinder). Heute herrscht das Modell „2+1“ vor, und nicht selten wird es durch „2+Hund“129 ersetzt. Die Kernfami- lie ist auch längst kein übliches Modell mehr in Deutschland (cf. Statistisches Bundes- amt 2006, 506). Fast 16 Millionen Menschen leben in Deutschland in Ein-Personen- Haushalten und die...

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