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Kubas unentdeckte Wende

Wie die innere Reformdebatte Fidel Castros Revolution seit 1990 verändert hat

Harald Neuber

Kuba ist in Bewegung. Seit den Umbrüchen 1989/1990 hat sich in dem sozialistischen Karibikstaat eine rege Debattenkultur entwickelt. Der Autor weist an zahlreichen Beispielen nach, dass Künstler und Intellektuelle bei diesen Kontroversen um die Gewichtung sozialer und politischer Rechte in vorderster Reihe stehen. Dennoch werden sie im Diskurs über Kuba weitgehend ignoriert. Ohne den Blick auf die Kultur aber kann man die Veränderungen der Kubanischen Revolution und die Stabilität des sozialistischen Systems nicht verstehen. Mit diesem Buch hat der Autor erstmals eine Studie dieser innerkubanischen Debatte vorgelegt – und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen.

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Vorwort

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Noch  heute  erinnert  sich  Victor  Fowler  an  das  Erlebnis  Mitte  der  neunziger  Jahre.  „Im  Zentrum  von  Havanna  sah  ich  eines  Tages  wie  eine  Frau  das  letz-­‐te,   trockene  Stück  eines  Brotes   in  einen  Mülleimer  am  Straßenrand  warf“,  sagt  der  Essayist.1  Brot  wegzuwerfen  schien  ihm  ungeheuerlich.  Zwei,  drei  Jahre   zuvor   gab   es   kaum  etwas   zu  Essen,   als   Fowler   einmal  monatlich   zu  einem   Freund   in   den   Randbezirk   Arroyo  Naranjo   fuhr.   Es  war   der   Höhe-­‐punkt   der  Período   especial   en   tiempo   de   paz,   der   „Spezialperiode   in   Frie-­‐denszeiten“,  oder  besser:  ihr  Tiefpunkt.  „Das  Beste,  was  ich  auf  diesem  Weg  fand,  war   ein   Stand   im   Bezirk  Miramar,   der   Zuckerwasser   verkaufte.   Das  war   das   Einige   auf   zehn   Kilometern   des   Weges:   Zuckerwasser,   sonst  nichts.“  (Exner  u.a.  2003:  143  f)  Dass  nun,  wenige  Jahre  später,  wieder  eine  Brotkante  weggeworfen  wurde,   empörte   und   freute   ihn   zugleich:   „In   die-­‐sem  Moment  wusste  ich,  dass  wir  das  Schlimmste  hinter  uns  hatten.“  Als   die   vorliegende  Arbeit   Anfang   2012   entstand,   lagen  diese   Jahre   in  Kuba   lange   zurück.   Die   Integration   des   Landes   in   die  Märkte   des   Südens,  vor   allem  Lateinamerikas  und  der  Karibik,   haben  die  wirtschaftliche  Lage  verbessert,  zugleich  ist  die  soziale  Kluft  in  der  Zwei-­‐Währungs-­‐Gesellschaft  größer  geworden,  wie  Beobachter  bestätigen:  Me  asombra  la  cantidad  de  comida  que  se  vende  en  las  calles  en  contraste  con  los   años  de  hambre  del   así   llamado  Período  Especial.   En   la   céntrica   calle   San  Rafael  […]  cuento  por  lo  menos...

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