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Kubas unentdeckte Wende

Wie die innere Reformdebatte Fidel Castros Revolution seit 1990 verändert hat

Harald Neuber

Kuba ist in Bewegung. Seit den Umbrüchen 1989/1990 hat sich in dem sozialistischen Karibikstaat eine rege Debattenkultur entwickelt. Der Autor weist an zahlreichen Beispielen nach, dass Künstler und Intellektuelle bei diesen Kontroversen um die Gewichtung sozialer und politischer Rechte in vorderster Reihe stehen. Dennoch werden sie im Diskurs über Kuba weitgehend ignoriert. Ohne den Blick auf die Kultur aber kann man die Veränderungen der Kubanischen Revolution und die Stabilität des sozialistischen Systems nicht verstehen. Mit diesem Buch hat der Autor erstmals eine Studie dieser innerkubanischen Debatte vorgelegt – und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen.

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II. Institutionen und Kulturpolitik im Wandel

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Der  Stagnation  des  außenwirtschaftlichen  und  handelspolitischen  Regimes  im  Jahr  1991  wirkte  sich  in  einem  erheblichen  Maße  auch  auf  die  kulturelle  Produktion  aus.  Wie  von  Victor  Fowler  eingangs  beschrieben,  war  der  er-­‐zwungene  Rückzug  ins  Private  eine  Folge  des  Zusammenbruchs  der  Arbeit  kultureller   Institutionen.   Erst   allmählich,   im   Laufe   der   Jahre   1991   und  1992,  nahmen  Künstler  und  Intellektuelle  die  Arbeit  wieder  auf,  damals  oft  noch  in  privaten  Kreisen.  Einige  der  in  dieser  Zeit  entstandenen  Foren  präg-­‐ten  die  literarische  Produktion  während  der  gesamten  neunziger  Jahre  und  wirken  über  die  damals  entstandenen  transnationalen  Netzwerke  zwischen  emigrierten  Autoren  und  Schriftstellern  auf  der  Insel  bis  heute  nach.  Eines  der  bekanntesten  Beispiele   ist  der   literarische  Zirkel  Azotea  de  Reina,  der  von  Mitgliedern  der  Schriftstellergeneration  der  achtziger  Jahre  gegründet  wurde  (Tejada  1997:  69).  Die  wirtschaftliche  Paralyse  dauerte  nach  Einschätzung  des  Ökonomen  Hiram  Marquetti  Nodarse  bis  zum  Jahr  1993  an  (Marquetti  Nodarse  2003:  Interview).  Während  dieser  Zeit  habe  das  vorrangige  Ziel  der  kubanischen  Führung   in   der   Grundversorgung   der   Bevölkerung   mit   Nahrungsmitteln  und   Dienstleitungen   bestanden.   Von   1993   bis   1997   folgte   laut   Marquetti  Nodarse  die  Öffnung  zum  Tourismus  und  die  Erschließung  neuer  Märkte.  Vor  allem  der  publizistische  Raum  veränderte  sich  in  diesem  Zeitraum  nachhaltig.  Zahlreiche  kirchliche  Publikationen  konnten  sich   in  den  Jahren  der  Krise  etablieren,  weil  vor  allem  die  katholischen  Gemeinden  Zugang  zu  einem  funktionierenden  Verlagswesen  und  Ressourcen  in  anderen  Staaten  der  Region  hatten.  Hinzu  kam  das  parallel   zum  Tourismus  ausgebaute   In-­‐ternet  als  Publikationsraum,...

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