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Internationale Studien zur Geschichte von Wirtschaft und Gesellschaft

Teil 1 und Teil 2

Karl von Hardach

Wirtschafts- und Sozialhistoriker – gut eine halbe Hundertschaft aus zwölf Ländern – bieten einen bunten Strauß ihrer akademischen Arbeiten von der Antike bis zur Gegenwart. Zu Worte kommen Professoren und Praktiker (Anwälte und Archivare, Beamte und Bankiers, Gymnasiallehrer und Geschäftsleute – alle mit einem Herzen für die Historie). Sie bieten Einblicke in die Breite und Tiefe wirtschafts- und sozialgeschichtlicher Untersuchungen und belegen Methodenvielfalt und Darstellungsmannigfaltigkeit wie sie heute weltweit praktiziert werden. Der Band enthält Beiträge in deutscher und englischer Sprache.

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Exercitium, ordo, coercio et exempla – die „Erzeugung des modernen Menschen. “Von der „sozialen Disziplinierung“ zum „Überwachungsstaat“: Herbert Matis

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603 Exercitium, ordo, coercio et exempla – die „Erzeugung des modernen Menschen“ Von der „sozialen Disziplinierung“ zum „Überwachungsstaat“ Herbert Matis Die Durchsetzung von Gehorsam, Fleiß und Pünktlichkeit gilt als eine wichtige Voraussetzung für die Aufgabenerfüllung in modernen Großorganisationen. Diese oft als „Bürgertugenden“ klassifizierten Verhaltensweisen sind aber das Produkt eines sozialen Lernprozesses, der parallel zur Ausbildung des neuen kapitalistischen Wirtschaftssystems und des sich gleichzeitig formierenden mo- dernen Zentralstaats abgelaufen ist. Dieser im weitesten Sinne als „soziale Dis- ziplinierung“ umschreibbare Vorgang hat zwar eine bis in die Zeit der Renais- sance zurückreichende Vorgeschichte, er tritt aber im 18. Jahrhundert im Zuge der Ausformung des Territorialstaats und des damit verbundenen „Universal- kommerzes“ in sein entscheidendes Stadium. Denn Staat und Wirtschaft der Moderne benötigen neue rein formal organisierte Institutionen wie Bürokratie, Armee, Schule und Fabrik, die im Hinblick auf das Verhalten ihrer Mitglieder gänzlich neue Anforderungen stellen, die in einer „traditionalen Gesellschaft“ mit einer nur rudimentär ausgeprägten Arbeitsteilung teilweise noch gar nicht existierten. In einer durchgängig arbeitsteiligen Organisation, wie sie für die moderne Gesellschaft charakteristisch ist, geht es demgegenüber nicht zuletzt um ein leistungsfähiges Zusammenwirken aller Kräfte, um die Respektierung zu- meist verschriftlichter Regelungen, sowie um die mehr oder weniger routinehafte Ausführung von Handlungen für die jeweilige Organisation. All dies erfolgt nach Vorgabe von Regeln, Plänen und Anweisungen von eigens zu einer Leitungs- funktion bestellten „Vorgesetzten“, was aber die Akzeptanz einer nicht länger mehr vornehmlich...

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