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Neue Stimmen aus Österreich

11 Einblicke in die Literatur der Jahrtausendwende

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Edited By Joanna Drynda and Marta Wimmer

Dieser Sammelband ist österreichischen Autorinnen und Autoren gewidmet, die in den letzten zwei Dekaden an die Öffentlichkeit getreten sind. Ein summarischer Überblick über die thematischen und ästhetischen Schwerpunktsetzungen in der jüngsten Literatur bildet den Ausgangspunkt für die Reflexion textvermittelter Befindlichkeiten zu Anfang des 21. Jahrhunderts. In den Einzelanalysen werden aus unterschiedlichen Perspektiven die Werke von Michaela Falkner, Milena Michiko Flašar, Olga Flor, Reinhard Kaiser-Mühlecker, Julya Rabinowich, Angelika Reitzer, Kathrin Röggla, Clemens J. Setz und Vladimir Vertlib beleuchtet. Das Buch ist das Ergebnis eines bilateralen, polnisch-österreichischen Projekts, deshalb wird auch nach der Präsenz junger österreichischer AutorInnen auf dem polnischen Buchmarkt gefragt.

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Monika Szczepaniak (Bydgoszcz). Elfriede Jelinek und Kathrin Röggla „in Mediengewittern“

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Elfriede Jelinek und Kathrin Röggla „in Mediengewittern“ 25 Monika Szczepaniak (Bydgoszcz) Elfriede Jelinek und Kathrin Röggla „in Mediengewittern“ „Das Leiden anderer betrachten“ Wir leben in einer Kultur der Visualisierung, in der eine besondere „teleintime Nähe zu Tod und Zerstörung“38 hergestellt wird. Wie wir in diesem medialen Zeitalter – um mit Susan Sontag zu sprechen – „das Leiden anderer betrachten“, hängt nicht zuletzt von den Gesetzen des Nachrichtenwesens und den Prinzipien der medialen Berichterstattung ab. Letztere haben bekanntlich mit der Suche nach Wahrheit wenig zu tun, dafür steuern sie die permanente Produktion von Bildern (und Texten), die das Publikum mit hoher Geschwindigkeit überfluten, die Sensationsgier befriedigen und ökonomischen Mehrwert hervorbringen. Auch wenn die medialen Darstellungen nur oberflächlich sind (vgl. Baudrillards „Bildschirm ohne Tiefe“) und einander in einem atemberaubenden Tempo ablösen bzw. durch Repräsentationsformen anderer (nicht weniger katastrophaler) Ereignisse ersetzt werden, sollen sie Aufmerksamkeit erregen und die Betrachter kollektiv emotionalisieren. Die Ästhetik der modernen Massenmedien fördert zum einen Identifikation und scheinbare Involviertheit der Zuschauer in das „live“ erlebte Geschehen, zum anderen jedoch verursacht sie eine durch die fehlende Reflexion der Inhalte zustande gekommene Gefühllosigkeit bzw. die von Susan Sontag in der kanonisierten Essaysammlung Über Fotografie diagnostizierte Abstumpfung und Betäubung des Zuschauers durch eine schiere Bilderflut.39 Die Live- und Nahsicht-Ästhetik des heutigen Event-Journalismus, der uns mit plakativen Botschaften überflutet, verursacht, dass Katastrophen in den Nachrichten zu Belanglosigkeiten verkümmern. Durch die enorme Beschleunigung der Meldungen und das „Televisuellwerden“ (Derrida) von Unf...

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