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Neue Stimmen aus Österreich

11 Einblicke in die Literatur der Jahrtausendwende

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Edited By Joanna Drynda and Marta Wimmer

Dieser Sammelband ist österreichischen Autorinnen und Autoren gewidmet, die in den letzten zwei Dekaden an die Öffentlichkeit getreten sind. Ein summarischer Überblick über die thematischen und ästhetischen Schwerpunktsetzungen in der jüngsten Literatur bildet den Ausgangspunkt für die Reflexion textvermittelter Befindlichkeiten zu Anfang des 21. Jahrhunderts. In den Einzelanalysen werden aus unterschiedlichen Perspektiven die Werke von Michaela Falkner, Milena Michiko Flašar, Olga Flor, Reinhard Kaiser-Mühlecker, Julya Rabinowich, Angelika Reitzer, Kathrin Röggla, Clemens J. Setz und Vladimir Vertlib beleuchtet. Das Buch ist das Ergebnis eines bilateralen, polnisch-österreichischen Projekts, deshalb wird auch nach der Präsenz junger österreichischer AutorInnen auf dem polnischen Buchmarkt gefragt.

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Kalina Kupczyńska (Łódź). Kalte Chirurgie der Short Cuts – Versuch über Olga Flors Roman Kollateralschaden

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Kalte Chirurgie der Short Cuts 51 Kalina Kupczyńska (Łódź) Kalte Chirurgie der Short Cuts – Versuch über Olga Flors Roman Kollateralschaden Eine Minute kann recht lange dauern – denkt man, wenn man Olga Flors Roman120 aufschlägt und die ersten fünf Seiten liest. Auf der ersten Seite sagt die Zeitangabe 16:30, fünf Seiten später ist es 16:31. Diese ersten fünf Seiten sind gefüllt mit Beschreibungen beiläufiger Vorkommnisse, in deren topographischem Zentrum ein Supermarkt steht. Also: eine Frau mit Kinderwagen blockiert kurz den Eingang, was eine andere Frau irritiert feststellen muss, ein dumpfer Knall weckt einen Obdachlosen, die Frau mit dem Kinderwagen erreicht die Flaschenrückgabe und schiebt das Leergut in die Öffnung des Automaten. Dergleichen Szenen kommentiert man gern mit der Bemerkung „Nix los“, und das trifft auch auf einen Teil dieses Romans zu – zumindest wenn man nach action sucht. Und, ein halbwegs versierter Leser sucht doch in einem Text, der mit einer genauen Zeitangabe anfängt, nach action – zumal die Zeit hier ununterbrochen mitläuft. Die Zeitangabe bezieht sich also offensichtlich auf einzelne Minuten des durch die Kameras registrierten Geschehens, obwohl die Handlung auch auf Stellen außerhalb des Supermarkts verlagert wird, wo der Überwachungsmechanismus nicht präsent sein kann. Die Zeitangabe verweist jedoch zugleich auf eine andere Ebene dieses Textes, auf der er selbstreflexiv über seine eigene mediale Konstitution nachdenkt. Diese zwei Elemente – die Anwendung filmischer Verfahren bei der Konstruktion des Romans, die ich dem Text attestieren möchte, und Reflexion...

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