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Dolmetschmodelle – erfasst, erläutert, erweitert

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Edited By Dörte Andres, Martina Behr and Maren Dingfelder-Stone

In diesem Sammelband werden verschiedene Dolmetschprozessmodelle vorgestellt: von der kognitiven Verarbeitung des Inputs über das interaktive Zusammenspiel der Kommunikationspartner bis hin zum Rollenverständnis des Dolmetschers in seinem situativen Kontext. Diese Modelle, die in erster Linie dem Simultandolmetschen zuzuschreiben sind, werden von den AutorInnen kritisch beleuchtet und im Hinblick auf eine Übertragung auf das Konsekutivdolmetschen erweitert. Es entsteht damit ein Überblick über die Vielfältigkeit sowie die Ausbaufähigkeit vorhandener Dolmetschprozessmodelle, anhand derer auch die Komplexität des Dolmetschens an sich deutlich wird.

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Vorwort

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Seit den 1970er Jahren weckt der Dolmetschprozess das Interesse unterschiedlicher Disziplinen. Nicht nur professionelle Konferenz- dolmetscher1, sondern auch Translationswissenschaftler sowie Psycho- linguisten haben versucht, Erkenntnisse über die dem (Simultan-) Dolmetschen zugrunde liegenden kognitiven Prozesse zu gewinnen. Als erste Forscher beschäftigten sich 1976 der Psycholinguist David Gerver sowie die Konferenzdolmetscherin Barbara Moser mit Simultandol- metschmodellen. Beide entwickelten unter Berücksichtigung wissen- schaftlicher Ansätze der Linguistik und der menschlichen Informations- verarbeitung Modelle, um die Komplexität des Prozesses darzustellen und einzelne Komponenten gesondert zu behandeln. Gerver konzen- trierte sich in seinem Modell hauptsächlich auf die Speicher- und Kontrollmechanismen und damit die Output-Kontrolle durch den Dolmetscher; Moser-Mercer befasste sich mit einzelnen Prozessschritten des menschlichen Sprachverstehens sowie mit Problemlösestrategien. Gemeinsam ist den – auch später folgenden – Modellierungen, dass es immer wieder um das „analytische [...] Eindringen [...] in das komplexe Gefüge Translation“ 2 geht. Die Translationswissenschaftlerin Heide- marie Salevsky formulierte bereits 1986 ein „Plädoyer für ein integratives Translationsmodell“3 – ausgehend von der Überlegung, dass reduktionistische Lösungen nicht ausreichen, um der Komplexität von Translation gerecht zu werden. Sie forderte ein dynamisches S y s t e m mit verschiedenen Einflußgrößen (Subsystemen, Kate- gorien). Es ist die gemeinsame Funktion, die diese Teile (Subsysteme) zum Ganzen (System) verbindet. Dabei ist zu beachten, daß [...] das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. [...] Wenn [...] von S y s t e m gesprochen [wird], so wird die Beschreibung dessen sowie der gesamten Spezifik erst dann gelingen, wenn die Wechselwirkungen der...

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