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Franz Xaver Kraus (1840-1901)

Ein Leben zwischen Wissenschaft und kirchlichem Lehramt

Sonja Tophofen

Im Ringen um den Platz der Wissenschaft innerhalb der kirchlichen Lehre und eine liberale Position der Lehrenden überhaupt verkörpert F. X. Kraus ein Exempel für die Ränkespiele im 19. Jahrhundert. Er besticht dabei mit seinen kritischen Positionen in den wogenden Konflikten zwischen Syllabus errorum und Erstem Vatikanum und erweist sich seinem Umfeld mitunter als weit voraus. Die Arbeit wirft erstmals ein Licht auf seine frühen Schaffensperioden, insbesondere die ihn prägende Zeit als Frühmesser mit ihren herausragenden wissenschaftlichen Publikationen. Auf der Basis bislang zum Teil nicht gesichteter und unveröffentlichter Archivalien seines Nachlasses werden seine Standpunkte und seine Persönlichkeit herausgearbeitet, welche die Konflikte anschaulich nachempfinden lassen.

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3 STATIONEN EINES BEWEGTEN LEBENS

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Um Franz Xaver Kraus’ Wirken und seine Entscheidungen aus dem zu untersuchenden Zeitraum von 1865 bis 1872, also seiner beruflichen Tätigkeit als Frühmesser, einordnen zu können, ist es meines Erachtens nach nötig, zunächst einen Blick auf dessen Gesamtbiographie zu werfen. Seine Äußerungen, sein zum Teil sehr berechnendes Verhalten während seiner Pfalzeler Zeit werden nur durch die Betrachtung der Gesamtpartitur seines äußerst virtuosen Lebens nachvollziehbar. 3.1 Jugend und Studium der Theologie Seine familiären Wurzeln gehen bis zur Generation seines Großvaters väterlicherseits, eines in Danzig geborenen Schneiders, auf ostdeutsche Protestanten zurück. Eben jener heiratete eine Triererin und siedelte kurz vor dem Tod seiner Frau in deren Heimat um. Auf seinem Sterbebett konvertierte er zur katholischen Kirche.1 Schiel kommt aufgrund der krausschen Vorfahren zu dem Urteil, dass der „nüchterne und kritische Sinn des Enkels ein Erbteil seiner ostdeutschen protestantischen Vorfahren“ sei.2 Johann Paul Kraus, sein Vater, hatte als Maler3 und Porträtist Belgien sowie Holland bereist, sich dann länger in Düsseldorf aufgehalten und von 1832 bis 1834 die Kunstakademie in Berlin besucht. In seiner Heimatstadt verdingte er sich nach der 1837 erfolgten Vermählung mit der Trierer Schneiderstochter4 Maria Magdalena Jung5 mehr schlecht als recht als Maler. Erst seine Anstellung als Zeichenlehrer am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier sollte ihm und seiner Familie eine gesicherte Existenzgrundlage bringen.6 Der am 18. September 1840 als fünftes Kind geborene Franz Xaver hatte insgesamt fünf Geschwister, von denen vier bereits im S...

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