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Zum Schwund der lexikalischen Entlehnungen aus dem Deutschen in den Mundarten der polnischen Großstädte im ehemals deutsch-polnischen Grenzgebiet

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Hanna Biadun-Grabarek

Das Ziel der Analyse war die Erforschung des Schwundes der lexikalischen Entlehnungen aus dem Deutschen in den Mundarten der polnischen Großstädte im ehemals deutsch-polnischen Grenzgebiet in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hierzu wurden die Einwohner der Städte Posen, Bromberg, Thorn und Danzig befragt, die zu der autochthonen Bevölkerung gehören. Die Befragten wurden in drei Altersgruppen eingeteilt: die Generation der Großeltern (im Alter von über 65 Jahren), die Generation der Eltern (im Alter von 35-45 Jahren) sowie die Generation der Enkel bzw. der Kinder (im Alter von 15-20 Jahren). In den Fragebögen mit jeweils 50 stadtspezifischen Lexemen wurde nach der Kenntnis und nach dem Gebrauch dieser Lexeme gefragt. Es ergab sich, dass der Schwund der lexikalischen Entlehnungen aus dem Deutschen das Ergebnis des Untergangs der polnischen Mundarten ist. Mit diesen Mundarten schwand auch die mundartlich gebrauchte Lexik deutscher Herkunft, die die jüngste Generation deshalb bei Weitem nicht so gut beherrscht wie die älteste. Außerdem fehlt der alltägliche Kontakt mit den deutschen Nachbarn.

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2 Zur Übernahme fremden Wortgutes

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2.1 Methoden und Ursachen der Bereicherung des Wortschatzes Es gibt keine Sprache ohne Entlehnungen. Die Entlehnungen sind Folge von wirtschaftlichen und kulturellen Kontakten zwischen den Sprechern von zwei Sprachen. Die Sprecher der Gebersprache verfügen über bestimmte technische Mittel oder kulturelle Erscheinungen, die den Sprechern einer anderen Sprache nicht bekannt sind. Daher gibt es auch in der anderen Sprache keine Bezeich- nung dieses technischen Mittels oder dieser Erscheinung. Im lexikalischen Sys- tem der potenziellen Nehmersprache gibt es eine Lücke, derer sich die Sprecher dieser Sprache erstmal nicht bewusst sind. In der Fachliteratur wird zwischen drei Arten von Begriffen in einer Sprache unterschieden (vgl. Grabarek 1986: 40): - konventioneller Begriff/konventionelle Benennung (allgemein bekannt und akzeptiert), - okkasioneller Begriff/okkasionelle Benennung (okkasionell aus einem Anlass gebildet), - latenter Begriff/latente Benennung (existiert nur potenziell). In einem Wörterbuch der Standardsprache werden nur konventionelle Benen- nungen notiert. Die okkasionellen Benennungen können entweder konventiona- lisiert (lexikalisiert) werden oder verschwinden. Die Konventionalisierung er- folgt, wenn sich die mit diesem Lexem benannte Erscheinung in der gegebenen Gesellschaft etabliert und daher ihre Benennung häufig gebraucht wird. Ist das nicht der Fall, so bleibt die betreffende Bezeichnung nur textspezifisch oder situationsgebunden (eine Art Historizismus). In einer der Leipziger Gaststätten wurden an den sog. "Polnischen Tagen" polnische Speisen serviert. Unter diesen polnischen Küchenspezialitäten gab es ein traditionelles polnisches Eintopfge- richt, das aus gedünstetem Sauerkraut mit verschiedenen Fleisch- und Wurstar- ten sowie Speck, Zwiebeln, Pilzen und weiteren Zutaten besteht (vgl. Bigos, in: http://de.wikipedia.org/wiki/Bigos). Da...

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