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Open Access im Wissenschaftsbereich

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Michael Link

Angesichts der Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien in den letzten Jahrzehnten gewinnt die Erstellung, Verarbeitung und Speicherung von elektronischen Informationen zunehmend an Relevanz. Aufgrund von Privatisierung und Kommerzialisierung des Gutes Information besteht aber die Gefahr einer asymmetrischen Informations- und Wissenslage der Gesellschaft. Als Lösung dieser Wissenskluft wird der allgemeine freie Zugang – Open Access – zu Wissen diskutiert. Konkret ist Open Access eine Bewegung, die einen unentgeltlichen Zugang zu wissenschaftlichen Informationen für jeden Interessierten ohne softwaretechnische Zugangshürden fordert. Der Autor beschreibt den historischen und gesellschaftlichen Hintergrund der Open-Access-Bewegung, zeigt die bisherigen Meilensteine von Open Access auf und untersucht Vor- und Nachteile. Er stellt zudem die aktuellen de lege ferenda-Vorschläge – eine Zwangslizenz, eine Anbietungspflicht (§ 43 Abs. 2 UrhG-E), ein Zweitveröffentlichungsrecht (§ 38 Abs. 1 Satz 3 UrhG-E) und eine Schrankenregelung (§ 52c UrhG-E) – vor und unterzieht diese Regelungen einer rechtlichen Prüfung. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass lediglich das Zweitveröffentlichungsrecht eines Urhebers verfassungskonform ist.

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4. Kapitel: Förderung der Open- Access- Idee unter verfassungsrechtlicher Beurteilung

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115 4. Kapitel: Förderung der Open-Access-Idee unter verfassungsrechtlicher Beurteilung A. Vorschläge einer gesetzlichen Implementierung des Open- Access-Gedankens im Urheberrechtsgesetz I. Hintergrund der Diskussion Die Berliner Erklärung im Jahr 2003 setzte ein Signal dahin, über die bloße For- derung nach Open-Access-Veröffentlichungen hinaus, die aktive Förderung die- ses Gedankens voranzutreiben. Nach einer Akzeptanzstudie der DFG hat das Open-Access-Prinzip zwar eine breite Zustimmung durch alle Wissenschaftsbe- reiche hindurch (74 % der Materialwissenschaftler, 81 % der Geistes- und So- zialwissenschaftler, 84 % der Natur- und 88 % der Lebenswissenschaftler),428 je- doch haben in Deutschland nur ca. 15 Prozent der Wissenschaftler ihre Beiträge bereits Open Access veröffentlicht.429 Gewisse Erfolge des Open Access zeigen sich vor allem in den Naturwissenschaften, wo hingegen im Bereich der Geisteswissenschaften Open-Access-Publikationen aktuell fast nicht zu finden sind. Aufgrund dieser Diskrepanz zwischen allgemeiner Zustimmung und tatsäch- lich geübter Praxis traten daher vor Inkrafttreten des Zweiten Urheberrechtskor- bes im Jahr 2007 erstmals Fürsprecher des Open-Access-Prinzips aktiv in Er- scheinung und forderten einen entgeltfreien Zugang zu öffentlich finanzierter wissenschaftlicher Information im Urheberrecht zu implementieren. Im Rahmen dieser Diskussion wurden verschiedene Gesetzesänderungen erwogen. Vor allem der Bundesrat machte sich für einen Paradigmenwechsel im Bereich wissen- schaftlicher Veröffentlichungen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen stark, um einen möglichst freien Zugang zu wissenschaftlichen Informationen zu 428 Vgl. Fournier, Akzeptanz und Verbreitung entgeltfrei zugänglicher Publikation in: Open Access– Chancen und Herausforderungen – ein Hdb. der deutschen UNESCO-Kommission, S. 66 429 Stellungnahme des Verbraucherzentrale...

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