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Willy Haas

Die Begegnung mit Indien als Exilort

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Jyoti Sabharwal

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts brachte infolge des Hitlerfaschismus die größte Vertreibung von Menschen in der bisherigen Geschichte Europas mit sich. Im Ausmaß ist diese übertroffen nur von der Menschenflucht als Folge der Teilung des Subkontinents in Indien und Pakistan 1947. Beide Ereignisse waren Manifestationen des Imperialismus und des Kolonialismus in der Neuzeit, beide erzeugten einen Literaturkorpus, etikettiert als Exilliteratur im deutschsprachigen Europa und als Partition Literatur auf dem südasiatischen Subkontinent. In diesem Buch über das Exil von Willy Haas in Indien zerfließen die Schnittstellen dieser historischen Entwicklungen, um aufzuzeigen, wie einzelne Biographien durch besondere Momente in der Geschichte beeinflusst werden. Diese Mikrostudie über das Exil in einer asiatischen Kolonie des Britischen Imperiums kann auch als eine Folge der neuen interdisziplinären Ansätze und der erweiterten Exilforschung auf außereuropäische und außeramerikanische Exilorte des frühen 21. Jahrhunderts betrachtet werden. Die Ausweitung führt zu neuen Impulsen für die repräsentativen Konzepte um Genre und Topoi der Exilliteratur. Darüber hinaus ergänzt diese Mikrostudie das Quellenmaterial der Exilgeschichte.

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Kapitel II. Von der Weimarer Sachlichkeit zum Bombayer Tonfilm der 1940er Jahre

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(44) 45 Kapitel II Von der Weimarer Sachlichkeit zum Bombayer Tonfilm der 1940er Jahre Verjagt aus meinem Land muβ ich nun sehn Wie ich zu einem neuen Laden komme, einer Schenke Wo ich verkaufen kann das, was ich denke. Die alten Wege muβ ich wieder gehn (Aus: „Sonett der Emigration“ Bertolt Brecht) 2. 1 Ankunft im kolonialen Indien als Drehbuchautor Die Literatur des Exils hat trotz der umstrittenen Thesen um Nomenklatur, Perio- disierung und ideologische Sachverhalte das Interesse der Literaturwissenschaft auf sich gezogen und diverse Formen der Künste, die mit der Moderne und den technischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts entstanden sind – unter denen der Film als die Hauptkunstform dieser Entwicklungen gilt – in den Forschungs- rahmen miteinbezogen.106 Dieses Kapitel wird die historischen Gegebenheiten von Haas’ Neue Heimat und seine Drehbücher für Bhavnani Studios als literarische Gattung untersuchen, die direkt mit einer industriellen Kunstform, nämlich dem Film verbunden sind. Die Rahmenbedingungen dieser Auseinandersetzung vollziehen sich über Haas’ theoretische Grundsätze über den Film, die er schon während seiner Weimarer Tätigkeit als Theater-und Filmkritiker verfasst hatte. In Indien bearbeitete er sie gemäss der kulturellen Massstäbe seines Exilortes. Am Exilort Indien war er als Drehbuchautor an der Gestaltung von drei sehr erfolgreichen Filmen des Bom- bayer Tonfilms der 1940er Jahre beteiligt – Jhoothi Sharm (The naked Truth) eine Adaption von Ibsens Gespenster; Prem Nager (Eine Indische Dorflegende) und 106 Ich beziehe mich hier auf die Abhandlungen über den Film in der Frühzeit seiner Entstehung von Bela...

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