Show Less

Unternehmensnachfolge und Wegzugsbesteuerung

Series:

Stephan Hoyer

Das deutsche Besteuerungsrecht an den stillen Reserven aus Kapitalgesellschaftsbeteiligungen, die der Anteilseigner in seinem Privatvermögen hält, droht verloren zu gehen, wenn der Anteilseigner seinen deutschen Wohnsitz aufgibt. Gemäß dem Abkommensrecht steht nämlich dem Ansässigkeitsstaat das Besteuerungsrecht an dem Veräußerungsgewinn aus den Anteilen zu. Um diesem Verlust des Besteuerungsrechts entgegenzuwirken, fingiert § 6 AStG einen Veräußerungsgewinn. Diese Arbeit befasst sich mit der im Zuge der Neufassung der Norm erfolgten Erweiterung des § 6 AStG auf Fälle der Unternehmensnachfolge. Dabei steht eine an den Prinzipien der Entstrickung, des Unionsrechts und des Abkommensrechts orientierte Anwendung der Vorschrift auf die verschiedenen Nachfolgekonstellationen im Mittelpunkt.

Prices

See more price optionsHide price options
Show Summary Details
Restricted access

Einleitung

Extract

Die zunehmende Internationalisierung sämtlicher Lebensbereiche erlaubt es dem Steuerpflichtigen, ohne nennenswerte Schwierigkeiten seinen Lebensmittelpunkt in einen anderen Staat zu verlegen. Dieser Mobilität des einzelnen Steuerpflich- tigen steht eine Finanzverwaltung gegenüber, deren Tätigkeitsfeld grundsätzlich auf das Territorium der Bundesrepublik Deutschland beschränkt bleibt. Dement- sprechend begrenzt sind auch die Möglichkeiten, den deutschen Steueranspruch gegenüber einem im Ausland ansässigen Steuerpflichtigen durchzusetzen. Hinzu kommt, dass die zunehmende Internationalisierung der Steuersachverhalte und die einhergehende Gefahr der Doppelbesteuerung der Steuerpflichtigen die Bundesrepublik Deutschland zum Abschluss zahlreicher Doppelbesteuerungs- abkommen (DBA) veranlasst hat, auf Grund derer ein ausdrücklicher Verzicht auf den Steueranspruch, der sich aus dem nationalen Recht ergibt, folgen kann. Diese Steuerbegünstigung des Steuerpflichtigen birgt wiederum Gestaltungs- möglichkeiten in sich, die es dem Steuerpflichtigen erlauben, die Steuerlast im bisherigen Wohnsitzstaat durch gezieltes Ausnutzen der abkommensrechtlichen Regelungen zu mindern. Dementsprechend war es Steuerpflichtigen möglich, den sich aus § 17 EStG ergebenden Steueranspruch auf den Veräußergewinn aus den Anteilen an Kapitalgesellschaften durch einen Wegzug in einen DBA-Staat zu umgehen, da nach Art. 13 Abs. 5 OECD-MA dem Ansässigkeitsstaat das Be- steuerungsrecht an dem Veräußerungsgewinn zusteht. Vor diesem Hintergrund muss die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG ge- sehen werden. Sie ist die Reaktion des Gesetzgebers auf die sich aus dem Ab- kommensrecht ergebenden Gestaltungsmöglichkeiten, die durch spektakuläre Wegzugsfälle Ende der sechziger Jahre in das Bewusstsein der breiten Öffent- lichkeit gerückt sind.1 Die Wegzugsbesteuerung steht jedoch nicht nur in einem Spannungsverh...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.