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Die Sexualstraftaten im polnischen Strafkodex im Vergleich zum deutschen Strafgesetzbuch

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Monika Lipinska

Die Arbeit erläutert am Beispiel Polens und Deutschlands den Prozess der Sexualstrafrechtsumwandlung und stellt damit die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Rechtsordnungen dar. Die Autorin beschreibt die geschichtliche Entwicklung des Sexualstrafrechts in Polen und Deutschland, besonders die sozial-wirtschaftlichen Grundlagen der Reformbestrebungen. Es folgt der Rechtsvergleich der gegenwärtigen Regelungen der beiden Länder. Das traditionelle Verständnis, dass Sexualität als solche unmoralisch sei, hat in Polen noch viele Anhänger. Die Ansicht, dass der Schutz des Strafrechts nunmehr der Freiheit des Individuums im sexuellen Bereich dienen soll, ist zwar nicht neu, wird aber selten vertreten. Im Gegensatz zum polnischen Strafrecht dient das deutsche Strafrecht nicht mehr dem Schutz einer bestimmten sittlichen Sexualordnung. Diese Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Schließung einer Forschungslücke im Rahmen des Rechtsvergleichs über polnisches und deutsches Sexualstrafrecht.

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TEIL I. Grundlagen und gesetzliche Entwicklung der Vorschriften über die sexuellen Straftaten ab dem 20. Jahrhundert

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TEIL I Grundlagen und gesetzliche Entwicklung der Vorschriften über die sexuellen Straftaten ab dem 20. Jahrhundert Kapitel 1 Die gesetzliche Entwicklung bis 1945 A. POLEN 1. Die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe der ersten Sexualstrafrechtsreform Der 1918 nach etwa 200 Jahren langer Abhängigkeit wiederentstandene polni- sche Staat, dessen Staatsform und Grenze noch nicht festgelegt waren, bildete sich aus drei Teilgebieten (dem russischen, preußischen und österreichischen) heraus und war ein Mosaik verschiedener, von den Eroberern eingeführter Rechtssysteme. Józef Piłsudski, der in Warschau als „Vorläufiges Staatsoberhaupt“ die Macht übernommen hatte, berief einen verfassungsgebenden Sejm1 ein, der eine demokratische Verfassung ausarbeiten und verabschieden sollte. Er wusste, dass die Schaffung eines einheitlichen polnischen Rechtssystems eine der grundle- genden Voraussetzungen für den neuen Staat war. Bis ein neues Grundgesetz verabschiedet wurde, beschloss der Sejm am 20. Februar 1919 auf seiner konstituierenden Sitzung eine „Kleine Verfassung“. Pil- sudski wurde die zivile und militärische Exekutive mit der Hoffnung übertragen, dass er einen Kompromiss mit dem Parlament erreicht2. Obwohl mit der Kleinen Verfassung eine gewisse Konsolidierung Polens eingeleitet wurde, verschlech- terte sich das innenpolitische Klima, weil sich die Parteien weiterhin um die In- halte der neuen Verfassung stritten3. Am 5./12. November 1922 wurden die demokratischen Parlamentswahlen4 durchgeführt und am 19. November 1922 die Regierung gebildet. Die häufig 1 Die erste Kammer des polnischen Parlaments. 2 Hoensch, Geschichte Polens, S. 254. 3 Hoensch, Geschichte Polens, S. 259. 4 Die vereinigten Rechtsparteien (ZL-N: Nationaldemokraten, Christlich Nationale, Nati- onale Arbeiterpartei) bleiben...

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