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Esskulturen

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Edited By Werner Siebel, Hartmut Salzwedel and Ingeborg Siggelkow

Die Beiträge dieses Bandes beschäftigen sich mit den Essensgewohnheiten, die sich bei vielen Menschen durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert sehr verändert haben. So erweitert Susanne Finsterer den Forschungsansatz von Spiekermann, Essen kulturell zu analysieren, um Fragen nach der Qualität des Lebensmittels Wasser und des Wassers in Lebensmitteln. Wasser selbst bedarf des Schutzes gegen Risikofaktoren wie Hormone im Grundwasser aus medizinischen Abwässern, Radioaktivität, Mängel an Abwassertechnik und Hygiene. Zu Indikatoren für Ökologie und Nachhaltigkeit zählen Fische. Ernährungs-Bildung und Fair Trade nehmen an Bedeutung zu. Auf Bleibelastung in Wildfleisch verweist Anja Sorges/NABU. Das Ökodorf ZEGG in Bad Belzig stellt Cordula Andrä vor. Nahrungsmittel im Abfall kommentiert Martin Gsell. Kaffee zu rösten statt zu verbrennen empfiehlt Michaela Kühnapfel. Dagmar Werpup erinnert an alkoholfreie Speisehäuser. Zur Entwicklungsgeschichte von Kantinen schreibt Ingeborg Siggelkow. Hartmut Salzwedel betont, wie dringlich es ist, dass Ingenieure und Sozialwissenschaftler bei der Ver- und Entsorgung von Wasser kooperieren, damit Techniken und Handlungsmuster funktional bleiben.

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Martin Gsell: Containern: Nahrungsmittel im Abfall. Ein Blick über den Tonnenrand

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135 Martin Gsell Containern: Nahrungsmittel im Abfall. Ein Blick über den Tonnenrand „Dunkel gekleidete Menschen rennen durch die Nacht, Taschenlampen blitzen auf. Eine Kette rasselt, das Tor quietscht. Es ist offen wie jeden Donnerstag. Schnell! Hier im Container ist Brot, dort Gemüse und Obst, da drüben Joghurt. Rucksäcke werden gefüllt, Reißverschlüsse geschlossen. Die Kette rasselt und leise Schritte verhallen in der Nacht.“ In der politischen Praxis des Mülltauchens (oder auch Containern) wirkt der bewuss- te Regelübertritt als praktische Kritik am bestehenden Produktions- und Verwer- tungsprinzip und konkret in Form der Aneignung von Mitteln, die in Bezug stehen auf subjektive Bedürfnisfragen der eigenen und/oder kollektiven Ernährung. Beim Containern werden noch genießbare Lebensmittel aus den Abfallcontainern der Supermärkte wiederverwendet. Meist finden sich dabei Menschen in Gruppen zu- sammen und erforschen unbewachte Müllcontainer von Supermärkten und Großbä- ckereien nach noch Genießbarem. Das Nahrungsmittelangebot der Container erstreckt sich dabei über fast die gesamte Produktpalette. Darunter findet sich Brot, Gemüse und Obst, auch abgepackte Nah- rungsmittel wie Joghurt, Säfte etc. Diese so erbeuteten Nahrungsmittel werden dann in privaten Küchen und Wohnge- meinschaften, nicht selten aber auch in öffentlich zugänglichen subkulturellen Räu- men, wie den s.g. Volxküchen1, zubereitet. Das Containern zeigt zweifellos, dass nicht zu vernachlässigende Mengen an Nah- rungsmitteln, die als Abfall angefallen sind, einer weiteren Verwendung als Mittel zur Bedürfnisbefriedigung noch dienen können. In einer aktuellen Studie der...

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