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Jüdische Erinnerungsdiskurse in der frankophonen Migrationsliteratur Quebecs

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Yvonne Völkl

Die Studie erforscht die narrativen Verfahren zur Darstellung der Inhalte und Funktionsweisen von Erinnerung und Gedächtnis in den Werken jüdischer
Migrationsautoren innerhalb der Quebecer écritures migrantes. Das Textkorpus umfasst Romane von bereits kanonisierten Schriftstellern – Monique Bosco, Naïm Kattan, Régine Robin – sowie von weniger bekannten Autoren – Pierre Lasry, Victor Teboul, Marc-Alain Wolf. Auf der Grundlage von kultur- und
literaturwissenschaftlichen Gedächtniskonzepten wird dargelegt, welche Gedächtnisinhalte wiederholt zur Sprache kommen, wann Erinnerungsprozesse zum Vorschein treten und wie diese mit rezeptionsästhetischen Mitteln umgesetzt werden. Überdies wird auf die Rolle der franko-jüdischen Migrationsliteratur innerhalb der Quebecer Erinnerungskulturen eingegangen.

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1 Jüdische Migrationsliteratur

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1.1 Was ist jüdische Literatur? Wer ist ein jüdischer Autor? Die Frage nach der Beschaffenheit jüdischer Literatur beschäftigt seit vielen Jahrzehnten die literaturwissenschaftliche Forschungslandschaft über die geis- teswissenschaftlichen Disziplinen hinweg. Noch vor einem Jahrhundert war die Zuordnung von Autoren zur jüdischen Literatur einfacher vorzunehmen als heu- te. Ehemals wurden Juden zur jüdischen Autorenschaft gezählt, nicht weil sie ‚traditioneller‘ geschrieben hätten als andere, sondern weil sie dies in einer der jüdischen Sprachen (Hebräisch, Jiddisch, Ladino, Jüdisch-Arabisch usw.) taten (cf. Horn 2004: Abs. 6; Stemberger 1977: 9). Die Stadt Montreal, die zu Beginn des 20. Jhs. viele Neuankömmlinge mit jiddischer Muttersprache aufnahm (cf. Kap. 3.3), beherbergte eine Reihe von Autoren, die ihre Werke dement- sprechend auf Jiddisch publizierten. Der kanadische Sozialanthropologe, Histo- riker und Übersetzer Pierre Anctil (2007: 123) berichtet, dass die meisten jiddi- schen Publikationen in Buchform zwischen den frühen 1920er Jahren und dem Ende der 1970er Jahre entstanden. Aber nicht nur in Montreal, auch im restli- chen Kanada wurde im vergangenen Jahrhundert eine große Anzahl an jiddi- scher Literatur angefertigt, die seit den 1990er Jahren für die Forschung zuneh- mend an Interesse gewinnt. Das größte Hindernis für eine wissenschaftliche Be- schäftigung mit diesen Texten ist jedoch die generell schwindende Kenntnis der jiddischen Sprache (cf. ibid. 1997, 2001, 2007):7 „Le principal obstacle en ce sens reste toutefois que le nombre de personnes pouvant lire ces textes dans leur version originale a connu...

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