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Jüdische Erinnerungsdiskurse in der frankophonen Migrationsliteratur Quebecs

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Yvonne Völkl

Die Studie erforscht die narrativen Verfahren zur Darstellung der Inhalte und Funktionsweisen von Erinnerung und Gedächtnis in den Werken jüdischer
Migrationsautoren innerhalb der Quebecer écritures migrantes. Das Textkorpus umfasst Romane von bereits kanonisierten Schriftstellern – Monique Bosco, Naïm Kattan, Régine Robin – sowie von weniger bekannten Autoren – Pierre Lasry, Victor Teboul, Marc-Alain Wolf. Auf der Grundlage von kultur- und
literaturwissenschaftlichen Gedächtniskonzepten wird dargelegt, welche Gedächtnisinhalte wiederholt zur Sprache kommen, wann Erinnerungsprozesse zum Vorschein treten und wie diese mit rezeptionsästhetischen Mitteln umgesetzt werden. Überdies wird auf die Rolle der franko-jüdischen Migrationsliteratur innerhalb der Quebecer Erinnerungskulturen eingegangen.

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3 Historische Grundlagen

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3.1 Jüdische Präsenz in der Nouvelle-France Der Beginn der Immigration jüdischer Familien in das Gebiet des heutigen Quebec reicht bis in die Kolonialzeit Kanadas zurück. Unter der Kolonialmacht der Franzosen ist es der jüdischen Bevölkerung per Gesetz jedoch verboten, in die Nouvelle-France einzureisen oder sich dort anzusiedeln. Diese Bestimmun- gen gehen auf die Verordnungen des Mutterlandes zurück. Im Frankreich des Ancien Régime sind Juden spätestens seit dem Verbannungsdekret von 1394 endgültig vom französischen Königreich ausgeschlossen (cf. Benbassa & Rod- rigue 2005: 28; Poliakov 1955: 133). Dieses Gesetz wird jedoch nicht in allen Regionen umgesetzt,49 sodass es im Jahr 161550 erneuert wird (cf. Benbassa 1999: 23, 71; Benbassa & Rodrigue 2005: 43-45; Poliakov 1955: 196). Da nun der jüdischen Bevölkerung ein offizieller Aufenthalt in Frankreich verwehrt ist, ist in der Folge jegliche jüdische Präsenz in seinen Kolonialgebieten untersagt. Die Verkündung des Edikts von Nantes durch Heinrich IV. im Jahr 1598 ver- bessert die Situation der Juden nicht, denn der amtliche Erlass erstreckt sich le- diglich auf die protestantischen Untertanen (cf. Choquette 2006: 205). Im Jahr 1627 gründet der Minister Ludwigs XIII., Kardinal Richelieu, die Compagnie de la Nouvelle-France, die auch unter dem Namen Compagnie des Cent-Associés bekannt ist, um die „[…] außereuropäische Provinz Frankreichs enger mit der Krone und dem Mutterland [zu] verbinden, als dies bisher möglich gewesen war“ (Wellenreuther 2000: 215). Weitere Motive für die Konstituie- rung der Handelsgesellschaft...

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