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Zauberschwert und Teufelsmesser

Zur Kulturgeschichte von Messern und Klingen in der populären Erzähltradition

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Heinz Huther

Schneidende und stechende Werkzeuge, vom Messer bis zur Schere, Beil und Axt, und Hieb- und Stichwaffen wie Schwert, Säbel und Dolch sind in populären Volkserzählungen, insbesondere in Sage, Märchen und Schwank, unentbehrlich und als Reflex der in ihnen gespiegelten Lebenswirklichkeit fast allgegenwärtig. Die Texte und die ihnen gewidmete Forschung behandeln sie auffällig beiläufig, fast geringschätzig. Die zutreffende Bewertung ihrer Rolle setzt eine umfassende Bestandsaufnahme und den Vergleich ihrer Erscheinungsformen voraus. Die hiermit vorgelegte Bestandsaufnahme berücksichtigt ausgehend von den Märchen und Sagen des Altertums, des Mittelalters und der Neuzeit auch das europäische und das deutsche Kunstmärchen. Über 140 ausgewertete Sammelwerke dürften einen repräsentativen Überblick ermöglicht haben. Populäre Erzählungen fast aller Zeiten und Völker, insbesondere aber Märchen, schildern Zerstückelungen von Menschen und Tieren, vor allem Enthauptungen, was zu intensiven Diskussionen über die Zuträglichkeit solcher Themen nicht nur für Kinder führt. Die bisherigen Deutungen des Phänomens werden gesichtet, ergänzt und erweitert. Als wesentliche Funktionen schneidender und stechender Geräte kommen die des schlichten Werkzeuges in Betracht, die des Verbrechenswerkzeuges, aber auch – nicht selten als Teil einer magischen Dreiheit – die als Träger dieser Magie, als Brücke in das Reich des Jenseitigen und nicht zuletzt als Manifestation des Unbewussten. Linien in die Gegenwart volkstümlicher Literatur schließen die Gesamtschau ab.

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Zur Realität von Strafen in der Volkserzählung

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Rechtshistorisch ist die Bestrafung mit der „Nageltonne“ bzw. dem „Nagelfaß“ allerdings zweifelhaft. Richard Wrede nennt nur die Nagelfolter, bei der z.B. die Hand des Delinquenten - in einem Fall handelt es sich um das Auto-da-Fes an zehn Juden in Valladolid im Jahre 1636 - während der Verlesung des Urteils an ein Kreuz genagelt wurde.92 Eberhard von Künßberg hält diese Strafe für erfun­ den93 und auch Wolfgang Schild meint, sie sei niemals vollzogen worden94. Ju­ dith Laeverenz sieht nur einzelne, „nicht absolut schlüssige“ Fälle des Vollzugs der Strafe als erwiesen an und weist darauf hin, daß diese Strafe im Märchen für sich meist nicht zum Tod führt, sondern - wie das Schleifen zur Richtstätte - strafverschärfend wirkt.95 Die „Eiserne Jungfrau“ wird als Folterinstrument, Untersuchungs- und Hin­ richtungsgerät faßbar und zudem in zahlreichen Sagen erwähnt. Richard Wrede berichtet von einem dieser Geräte auf der Burg von Nürnberg und anderen im Gefängnis des Schlosses Salzburg, auf dem Hradschin sowie in Wien, Witten­ berg, Schwerin, Köln und Berlin als historisch real. In Köln habe man das Gerät „Wegschnapp“ genannt. Das Nürnberger Exemplar war eine aus Eisenplatten, Schienen und Stangen zusammengesetzte, mit starken Federn versehene Gestalt gewesen, die geschlossen einer Nürnberger Bürgersfrau mit Mantel, Halskrause, Haube und nachgebildeten Gesichtsformen verglichen habe. „Geöffnet zeigte das Gerät in der Brust- und Bauchpartie scharfe eiserne Spitzen. Der Delinquent mußte auf eine...

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