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«Des Menschen Herz faßt so unendlich viel»

Das Stammbuch des Volrat Graf zu Solms-Rödelheim und Assenheim- Edition mit Kommentar und Einführung

Julia Bastian

Das Stammbuch des Volrat Graf zu Solms-Rödelheim und Assenheim (1762-1818) ist geprägt durch das literarische Interesse seines Besitzers. Während seiner Reisen durch Deutschland und die Schweiz begegnete er zahlreichen Gelehrten und Schriftstellern. Das Stammbuch dokumentiert seine Bekanntschaft mit Sophie von La Roche, Christoph Martin Wieland sowie Mitgliedern des Göttinger Hainbundes. Gleichzeitig wirft es ein Schlaglicht auf die literarische Kultur des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Diese Edition bietet eine Transkription sämtlicher Texte mit Abbildungen. Der Kommentarteil und eine literarhistorische Einführung geben umfangreiche Informationen zu den Eintragungen und ihren Verfassern.

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1. Einleitung

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Das Interesse an Stammbüchern beschränkte sich lange Zeit vornehmlich auf ihre Funktion als Quelle personengeschichtlicher und genealogischer Informati- onen, ihr vielfältiger kulturhistorischer Wert wurde nur unzureichend wahrge- nommen. Erst seit der 1978 von Jörg-Ulrich Fechner veranlassten Tagung in Wolfenbüttel rückte diese Dimension der Sammelpraxis zunehmend in den Blickpunkt der wissenschaftlichen Auseinandersetzung unterschiedlicher Dis- ziplinen.1 In diesem Kontext wurde auch auf die literarhistorische Bedeutung der Alben aufmerksam gemacht. Stammbücher, bemerkte Fechner im Sammel- band zur Tagung, dokumentieren „die faktische Wirksamkeit von Literatur an einem ausgewiesenen historischen und sozialen Moment und Ort“2 abseits vom später etablierten Literaturkanon. Eine solche Momentaufnahme bietet auch das vorliegende Stammbuch des Grafen Volrat zu Solms-Rödelheim und Assenheim. Mit Einträgen aus dem nä- heren Umfeld und von prominenten Persönlichkeiten der Literatur- und Geistes- geschichte ist es eine Sammlung von Erinnerungsstücken, sinnhaften Textbei- trägen und freundschaftlichen Bekundungen. Gleichzeitig stellt es ein viel- schichtiges literarhistorisches Zeugnis des ausgehenden 18. Jahrhunderts dar. Die einzelnen Eintragungen bringen poetisch-ästhetische Wertvorstellungen zum Ausdruck und reflektieren eine auf den Stammbuchgebrauch ausgerichtete Literaturrezeption. Das Gesamtgefüge der Inschriften und ihre Position im Stammbuch geben darüber hinaus Einblick in literarische Gruppenkonstellatio- nen und Netzwerkstrukturen. Das Album des Grafen Volrat ist der Forschung nicht unbekannt. Mit der Biographie ‚Um 1800. Aus Zeit und Leben des Grafen Volrat zu Solms- Rödelheim. 1762-1818’3 legte Wilhelm Karl Prinz von Isenburg 1927 eine aus- führliche Arbeit über das Leben des Grafen vor. Er...

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